Belleville: die unbekannte Schönevon Katharina Görig, erschienen am 15.05.2009
»Belle et vile.« Das kleine schwarze Graffito am Place Fréhel beschreibt kurz und prägnant die schönen und aber auch schäbigen Seiten des Pariser Stadtviertels Belleville. Wer die Metro der Linie 11 in Richtung Mairie des Lilas nimmt, kommt an der Metrostation Belleville vorbei, die sich als Startpunkt für eine kleine Reise fernab der typischen Sehenswürdigkeiten von Paris eignet. Ein kleiner Streifzug, der um die ganze Welt führt und bei dem dem Reisenden in einem Arbeiterviertel zahlreiche Künstler begegnen werden. Bereit für eine kleine Zeitreise?
Wir befinden uns in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Vor allem in diesem Teil der Stadt wächst die Arbeiterbevölkerung unaufhaltsam an. Nach Ausrufung der Dritten Französischen Republik 1870 und dem Ende des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 bleiben die Pariser weiter auf den Barrikaden, um für die republikanische Freiheit zu kämpfen. Als die Regierung nach Versailles flüchtet, ziehen die Nationalgarden von Belleville und Montmartre ins Stadtzentrum. Schnell entsteht der Pariser Stadtrat. Vier Monate später allerdings kehren die Versailler nach Paris zurück, um der Kommune ein Ende zu setzen. Die Widerstandskämpfer werden entweder gefangen genommen oder hingerichtet. Ende Mai, während der »semaine sanglante«, der Blutigen Woche, umzingelt die Versailler Armee erst den Buttes Chaumont, einen kleinen Hügel im Nordosten von Paris, und dann den Friedhof Père Lachaise. Nach dem Fall der letzten Barrikade werden dort am 28. Mai 1871 Widerstandskämpfer entlang einer Mauer erschossen. Noch heute kann man diese nach ihnen benannte Mauer, die mur des fédérés, auf dem Friedhof Père Lachaise finden.
Mittlerweile teilen sich Menschen aus der ganzen Welt das Quartier. Viele von ihnen mussten vor der Gewalt in ihrer Heimat fliehen, sodass sich Anfang des 20. Jahrhunderts zahlreiche Armenier und deutschstämmige Juden sowie Spanier, die der Franko-Diktatur entkommen sind, in Belleville niedergelassen haben. Im Jahr 1960 immigrierten arabische Juden aus Tunesien und Algerien, 20 Jahre später kamen Menschen aus dem Maghreb, Afrika südlich der Sahara und Asien hinzu. Daher ist es kein Wunder, dass Moscheen, katholische Kirchen, Synagogen oder Gemeinschaften der Sikh-Religion auf diesem kleinen Fleck versammelt sind. Ein kleiner Einkaufsbummel bringt Fleisch aus arabischen Halal-Metzgereien, chinesischen Reiswein vom kleinen asiatischen Laden nebenan oder Baklava aus dem Nahen Osten mit frischem Minztee.  |  | |
Belleville ist aber auch bekannt für seine Künstler. Man stößt zum Beispiel auf eine Gedenktafel in der Rue de Belleville, die an die Sängerin Édith Giovanna Gassion erinnert, besser bekannt als Edith Piaf. Laut Aufschrift sei der »Spatz von Paris« am 19. Dezember 1915 auf der Stufe des Hauses mit der Nummer 72 auf die Welt gekommen. In großer Armut geboren war Piaf bereits im zarten Alter von zehn Jahren darauf angewiesen, ihr täglich Brot als Straßensängerin zu verdienen. Später hat sie mit ihrer überwältigenden Stimme und Liedern wie La vie en rose (1945) und Non, je ne regrette rien (1960) die Welt bewegt. Die ehemalige Wohnung der Sängerin in Ménilmontant wurde in das kleine Musée Edith Piaf umfunktioniert und beherbergt verschiedenste Erinnerungsstücke von Briefen und Skulpturen bis hin zum Bühnenkleid des Stars.
Heute verstecken sich unzählige kleine Ateliers zwischen den HLM [Abkürzung für habitation à loyer modéré, zu deutsch Sozialwohnungen, Anm. d. Redaktion] und anderen einfachen Wohngebäuden, bei denen man Halt machen und den Künstlern bei ihrer Arbeit über die Schulter blicken kann. So verbindet die Vereinigung Les Ateliers d’Artistes de Belleville um die 200 Künstler, die mit Skulpturen, Öl, Kupferstichen, Keramik und anderen Materialen arbeiten. Einmal im Jahr, Mitte Mai, laden sie zum Tag der offenen Tür ein, um den Besuchern die Möglichkeit zu geben, die Künstler von Belleville und ihre Arbeiten näher kennenzulernen.
Fragt man die Einwohner von Belleville nach dem Besonderen an diesem Stadtteil, lautet die Antwort, dass man sich hier schnell wohl fühle. Das liege an der Atmosphäre, den einfachen Leuten und den kleinen Gassen. Vor allem aber sei Belleville ein Ort der »convivialité«, der Geselligkeit.
Zum Weiterlesen:
Dominique Détune und Claudine Hourcadette: Paris Promenades dans Belleville et Ménilmontant. Herausgegeben vom Christine Bonneton Verlag, Paris, 2007.
Schon der Chansonnier Yves Montand besang den Zauber und die Idylle dieses Viertels, aber auch die unterschiedlichen Seiten des Quartiers in Rue d’Belleville:
Le plus heureux des jours
Et ma première idylle
C’est toi Belleville
Malgré tes murs qui penchent
Malgré tes vieux pavés
T’es belle comme un dimanche
Tu m’fais rêver. | |
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Der deutsch-französische Appetithappenvon Larissa Beutin und Anne-Laure Edoh, Übersetzung Britta Nelskamp, erschienen am 01.01.2009
Um zu lernen, wie man einen Fisch zubereitet, wie ein köstliches Birnen-Clafoutis gelingt oder um andere interessante Rezepte kennenzulernen, sind Sie herzlich willkommen im Kochkurs von Erik Krouters. Eine deutsch-französische Gruppe, die sich für die französische Küche und den kulturellen Austausch interessiert, trifft sich einmal im Monat mit ihm in der Cafeteria des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW).
Die ersten Gäste sind bereits eingetroffen. Zu Anfang beäugt man sich gegenseitig schüchtern. Nach kurzer Zeit jedoch bilden sich bereits Grüppchen, man unterhält sich: »Sprichst du Französisch oder Deutsch?«, die Sprachen vermischen sich. »Kennen wir uns nicht aus dem letzten Kochkurs mit Erik?« Ein paar Stammgäste begegnen sich wieder. Nach und nach wird die Stimmung lockerer. Wir schauen uns das Tagesmenü an: als Vorspeise kalte gefüllte Tomaten mit Kräuterbutter, als Hauptgang Fisch in Pergament mit Gemüse-Julienne und als Nachtisch ein Birnen-Clafoutis. »Hmm, lecker!«, das lässt uns das Wasser im Mund zusammenlaufen. Zum Glück führt uns Erik schon bald in die riesige Küche. Was für eine Küche. Sie ist sehr groß, hervorragend ausgestattet und bringt alle Köche zum Träumen. Für jedes Gericht gibt es eine eigene Arbeitsfläche. Auf den Tischen befinden sich die Rezepte, alle möglichen Zutaten und die Küchengeräte. Jeder darf sich seinen Arbeitsplatz aussuchen. Zwischen dem Süßen und dem Herzhaften fällt die Auswahl schwer. Bei Erik kann man eine ganze Menge lernen.
Unsere Wahl fällt auf die Vorspeise: »Die kann uns nicht misslingen«, denken wir. Wir beginnen damit, das Rezept, das vorsorglich auf Französisch und auf Deutsch vorbereitet wurde, genau zu lesen.  |  | |
Und los geht’s mit dem Kleinschneiden von Paprika und Zwiebeln; außerdem müssen die Tomaten ausgehöhlt werden. Auf den ersten Blick scheint das ein Kinderspiel zu sein, aber plötzlich steht Erik hinter uns: »Was machst du da? Hast du die Paprika gewaschen? Du musst viel kleinere Stücke schneiden.« Naja, etwas Strenge schadet nicht, vor allem, wenn man ohnehin nicht alles versteht, was er sagt. Obwohl er außer « bon appétit » kein einziges Wort Französisch spricht, erläutert er uns die französische Küche: ein ungewöhnlicher kultureller Austausch. Die restliche Vorbereitung verläuft ruhig. Mit Temperament und Überzeugung zeigt uns Erik, wie man Butter und Kräuter mischt, wie man den Fisch in akkurate Filets zerlegt und wie das köstliche Birnen-Clafoutis am besten gelingt. Langsam breiten sich herrliche Düfte aus. Es riecht nach Provence, Meer und Urlaub. Wir werfen einen Blick auf die anderen Arbeitsflächen und werden in Versuchung geführt, von der Kräuterbutter zu probieren, dem Clafoutis-Teig, einem kleinen Stück Birne… Die Füllung für unsere Tomaten lockt ebenfalls einige Gäste an. Sie bleiben stehen, um einen Löffel – oder zwei – davon zu kosten. Sie scheinen begeistert. Auch wir sind überzeugt, unsere Aufgabe erfolgreich gelöst zu haben: »Hmm, ist das lecker.«
Wir perfektionieren noch die Vorspeise, während die anderen den Fisch und das Gemüse in Pergament verpacken und das Clafoutis aus dem Ofen nehmen: »So viele verführerische Düfte in der Küche.« Ein Lehrling, der Erik zur Hand geht, holt schnell den Wein aus dem Keller, und alle setzen sich an den Tisch.  |  | |
Wir unterhalten uns mit unseren Tischnachbarn auf Französisch und Deutsch. »Bon Appétit. Tchin Tchin. Guten Appetit. Prost.« Wir kosten von der Vorspeise mit Baguette und Kräuterbutter. Plötzlich reißen die Franzosen erstaunt die Augen auf. »Was machst du denn da?«, fragen sie. »Wie kannst du den guten Wein mit Wasser mischen?« Die junge Deutsche wird rot. Die Unterhaltung dreht sich um die kulinarischen Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich. Einer der Deutschen fragt sich, wie man wohl den Fisch in Pergament isst: Gibt man den Inhalt auf den Teller oder lässt man den Fisch und das Gemüse einfach in der Verpackung? Unauffällig beobachtet er die anderen, was ihn jedoch noch mehr verwirrt: Eine junge Französin gibt den Inhalt auf ihren Teller, während die anderen direkt aus dem Pergamentpapier essen. »Das ist wirklich eine merkwürdige Kultur.« Er beginnt, das Gericht zu probieren. Den Tisch umgibt ein Gewirr aus »miam«, »hmm«, Lachen und Stimmen; im Raum herrscht eine herzliche und gesellige Atmosphäre. Als der Kuchen gebracht wird, freuen sich die Franzosen. Eine der Deutschen verzichtet jedoch: Ihrer Meinung nach ist das kein Nachtisch. In Deutschland isst man Kuchen normalerweise nachmittags zum Kaffee – ein weiterer kulinarischer Unterschied. Die anderen Deutschen der Gruppe lassen diese Angewohnheit heute aber links liegen und stürzen sich auf das köstliche Clafoutis. Schließlich muss man sich für andere Kulturen öffnen. Die Teilnehmer des Kochkurses sind zufrieden und gesättigt. »Was für ein schöner Abend.« Abgesehen von einigen kleinen Unterschieden scheinen die kulinarischen Gewohnheiten beiderseits des Rheins also gar nicht so unterschiedlich zu sein.
Wenn Sie mehr über den Kochkurs erfahren möchten, schauen Sie doch mal auf die Internetseite des Info-Cafés Berlin-Paris des DFJW (www.jugendtreff-berlin-paris.de). 
Berlin–Paris, eine fotografische Bestandsaufnahme von Britta Nelskamp, erschienen am 01.09.2008
Auf dem Ausgangsbild: eine graue Fläche. Plötzlich Schlittschuhe, die durchs Bild fahren. Menschen auf einer Eisbahn. Ein kleines Mädchen, das hinfällt, sich wieder aufrappelt und weiterfährt. Dann wird das Bild eingefroren – nach exakt 30 Sekunden.
Dies ist nur eines von 60 verschiedenen kurzen Videos, die Matthias Schäfer in Berlin und Paris aufgenommen hat und selbst als »30-Sekunden-Fotos« bezeichnet. Diese animierten Fotos oder »Lichtbilder« entstanden im Rahmen des Seminars « Permis de construire » (»Baugenehmigung«) der EHESS, der Hochschule für Sozialwissenschaften in Paris, und waren Teil der Ausstellung Berlin-Paris. Der Kunsthistoriker und Fotograf Matthias Schäfer, der ursprünglich aus Deutschland stammt, jedoch seit 15 Jahren in Paris lebt, folgte dem Vorschlag, eine Art fotografische Bestandsaufnahme der beiden Städte vorzunehmen und ergänzte diese um Kurzfilme, die hintereinander abgespielt als Videoinstallation Teil der Ausstellung wurden. So vielfältig wie die Themen der Fotos sind – »Passanten«, »Geschwindigkeit«, »verlassene Orte« – so facettenreich präsentieren sich auch die »30-Sekunden-Fotos«. Ob Schlittschuhfahrer, eine U-Bahn oder das nächtliche Treiben an einer Tankstelle – Matthias Schäfer hat alltägliche Eindrücke festgehalten und sich dabei selbst von dem Resultat überraschen lassen.
rencontres.de: Haben Sie gezielt nach bestimmten Szenen für Ihre »Bilder« gesucht? Matthias Schäfer: Ich habe versucht, sämtliche Bereiche aufzuzeichnen: Menschenmengen, Leere, Spuren des Menschen, Spuren der Zeit. Eigentlich hatte ich nicht den Eindruck, irgendetwas gesucht zu haben. Es ist eher so, als hätte ich Vertrauen zu einem Ort, und die verschiedenen Situationen offenbaren sich dann von ganz allein. Selbstverständlich ist das alles subjektiv, denn es ist unmöglich, neutral zu fotografieren oder zu filmen.
Das Faszinierende daran ist, dass die Kamera ihm einen unbeweglichen Rahmen wie den eines Fotos bietet, dass sich jedoch plötzlich innerhalb dieses Rahmens eine belebte Szene abspielt. Oft weiß der Betrachter zu Beginn des Videos nicht, was er sieht und wo er sich befindet. Erst nach und nach wird das Rätsel gelöst: Das Umfeld wird sichtbar. Plötzlich betreten Menschen die »Bildfläche«, um sie wieder zu verlassen. Nach 30 Sekunden »Belichtungszeit« bleibt die Frage offen, wie die Szene weiter verläuft. Anders als bei einem Foto wird das, was zuerst außerhalb des Blickfeldes lag, schließlich zu einem Teil des Bildes, sobald es sich in den Fokus der Kamera hineinbewegt.
rencontres.de: Wie haben die Menschen reagiert, die plötzlich unfreiwillig zu Darstellern in Ihren Videos wurden? Matthias Schäfer: Seltsamerweise haben die Menschen im Rahmen der »30-Sekunden-Fotos« keinerlei Reaktion gezeigt. Obwohl die Aufzeichnung doch viel länger dauerte als für ein »normales« Foto üblich, das heißt mindestens 30 Sekunden ohne mich fortzubewegen. Vielleicht haben sie gedacht, ich positioniere mich und warte, bis sie vorbei sind. Sehr erstaunlich, denn auf der anderen Seite kamen Leute auf mich zu und zeigten sich nervös, als ich mit meinem Fotoapparat einfache Fotos von der Stadt und ihrer Architektur, also den Straßenansichten, Häuserecken, Türen, Fenstern, Objekten in der Stadt et cetera machte.
Auch der Ton unterscheidet die „30-Sekunden-Fotos“ von einem herkömmlichen Foto. So wird aus einer statischen Aufnahme eine lebendige Szene. Nimmt der Betrachter zu Anfang beispielsweise nur ein Rauschen wahr, das nicht einzuordnen ist, so wird erst am Ende die gesamte Szene enträtselt: Das Rauschen stammt von einer U-Bahn, die durch einen Tunnel fährt. Ein Geräusch, das das Großstadtleben täglich untermalt, das der Mensch jedoch für gewöhnlich nicht mehr wahrnimmt.
Nicht nur von dem Ergebnis der Aufzeichnungsmethode hat sich der Künstler überraschen lassen – auch Berlin war neu für ihn. Während Paris für Matthias Schäfer ein vertrauter Ort ist, war Berlin »unerforschtes Gebiet«, das es kennenzulernen und zu erobern galt. Eine Herausforderung für jemanden, den mit Deutschland und Frankreich viel verbindet und der dennoch als Ausländer einen sehr speziellen Blick auf die beiden Städte hat.
rencontres.de: Beschreiben Sie doch bitte Ihre Vorgehensweise bei der Auswahl der Orte, die Gegenstand Ihrer »Bilder« werden sollten. Matthias Schäfer: Unter anderem habe ich versucht, Szenen festzuhalten, die mit einer gewissen Spannung geladen sind. Während dieser Zeitspanne spielt sich eine kleine Geschichte ab, mehr oder weniger dramatisch oder auch lustig, auf jeden Fall ein Ausschnitt aus dem Leben. Außer den »Lebensausschnitten« gibt es auch Szenen, die als völlig abgeschlossenes Element funktionieren, als kurze Geschichte, die sich in diesen 30 Sekunden abspielt, mit einem Anfang und einem Ende.
So sammelte er dort Ausschnitte des Lebens und hielt das scheinbar Unbedeutende fest, dessen Spannung durch die ungewöhnliche Aufzeichnung erst sichtbar wurde: das Muster auf einem Teppich, eine Einkaufstasche in einer Menschenmenge, Spuren im Schnee,… Aus der zunächst rein fotografisch vorgesehenen Mission, die eine aus Fotos bestehende Datenbank schaffen sollte, wurde eine poetische Reise durch zwei faszinierende Städte.
rencontres.de: Was hat für Sie die Arbeit in Berlin und Paris unterschieden?
Matthias Schäfer: Ich habe versucht, die beiden Städte soweit wie möglich gerecht zu behandeln, beiderseits eine größere Anzahl von Vierteln aufzusuchen. An den ersten Tagen erreichte ich die Startpunkte zu Fuß, nahm dann auch die U-Bahn. Während dieser zwei Wochen war ich in der Tat die meiste Zeit zu Fuß unterwegs. Ich bin viel herumspaziert, aufs Geratewohl hin, in die Leere, ins Unbekannte. Vor allem, was Berlin angeht. Der Stadtplan war mir dabei behilflich, mir zu einem bestimmten Moment meine geographische Situation anzuzeigen. Was Paris betrifft, wo ich nun schon mehr als zehn Jahre lang zu Hause bin, war der Sachverhalt anders: Ich wusste vorab, in welchem Viertel, in welcher Atmosphäre ich mich befinden würde.
Die fotografische Reise, die Matthias Schäfer durch Berlin und Paris unternommen hat, ist somit eine ganz und gar neuartige Weise, die beiden Metropolen zu entdecken. Um von diesem Konzept einen ersten Eindruck zu gewinnen und die Spannung der Videos nachempfinden zu können, bietet es sich an, einen Blick auf die Internetseite des Collectif OOB (www.collectif-oob.com) zu werfen, auf der die Bestandsaufnahme Berlin-Paris seit Anfang Februar wöchentlich veröffentlicht wird. 
200 Jahre Guignol – das Wahrzeichen Lyons feiert Geburtstag von Maren Zäske, erschienen am 15.05.2008
Wer schon einmal Lyon besucht hat und durch die Altstadt, das Vieux Lyon geschlendert ist, dem wird die kleine Handpuppe nicht entgangen sein, die aus dem Stadtbild kaum noch wegzudenken ist. Groß und Klein erfreuen sich an ihren Geschichten, die in zahlreichen Theatern der Stadt und im Sommer auch im beliebten Stadtpark, dem Parc de la Tête d’Or, aufgeführt werden. In diesem Jahr feiert Guignol seinen 200. Geburtstag.
Im Jahr 1769 wurde Laurent Mourguet als Sohn einer Seidenweberfamilie (französisch: Canuts) geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen im Arbeiterviertel von Lyon auf. Die Französische Revolution veränderte die Situation der Weber radikal und Mourguet war gezwungen, sein Geld mit den unterschiedlichsten Arbeiten, unter anderem als Zähneausreißer, zu verdienen. Um seine Kunden zu werben und vielleicht auch zur Ablenkung, ließ er Marionetten tanzen. Diese Art der Unterhaltung, ursprünglich aus Italien importiert, war im 18. Jahrhundert in Mode, so dass Mourguet das Marionettenspiel schließlich zu seinem Beruf machte. Durch Zufall lernte er den Geigenspieler Lambert Thomas Landré kennen, mit dem er einige Zeit zusammenarbeitete. Landré übernahm bei den Auftritten den Part des Gesprächspartners der Marionette Polichinelle, die von Mourguet gespielt wurde, und kümmerte sich gleichzeitig um die musikalische Untermalung. Das Duo trat lange Zeit erfolgreich auf, ging aber letztlich am übermäßígen Alkoholkonsum Landrés zugrunde, und Mourget sah sich gezwungen, seinen Kollegen zu ersetzen. Da das Publikum das Interesse an den herkömmlichen Marionetten zunehmend schwand, entwarf er eine Handpuppe, die mit roter Trinkernase stark an Landré erinnerte. Gnafron war geboren. Die Figur gefiel den Zuschauern und Mourguet konzipierte eine weitere Handpuppe, den legendären Guignol, der die Gesichtszüge seines Schöpfers trug und lange von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Diese Version der Entstehungsgeschichte von Guignol und seinem Freund Gnafron wird vor allem in den leicht zugänglichen Lektüren über die Handpuppe aus Lyon vertreten. Ein Ausflug in die geschichtswissenschaftliche Literatur zeigt jedoch, dass vieles, was man über Guignol lesen kann, teilweise auf Vermutungen beruht. Aus der Zeit seiner ersten Bühnenauftritte ist nichts schriftlich überliefert. So kann die Geschichte seiner Erfindung durch Mourguet nicht bewiesen werden. Aber spätestens mit der Einweihung seines Denkmals am 21. April 1912, auf dem Place du Doyenné im fünften Arrondissement von Lyon, erhielt diese Version der Entstehungsgeschichte ihren offiziellen Status. Auch die Geburtsstunde von Guignol wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts auf das Jahr 1808 festgelegt. Glaubt man den Lyoner Zeitungen, so war die Bekanntgabe des 100. Geburtstages von Guignol angeblich nur eine Reaktion auf die Pariser Presse, die Guignol bereits feierte, als er in Lyon noch in der verstaubten Puppenkiste lag. Dieser Zufall rief aber die Symbolträchtigkeit der Figur wieder ins Bewusstsein der Menschen und führte am 9. Januar 1913 zur Gründung der Société des Amis de Guignol (Gesellschaft der Guignol-Freunde), die im Jahr 1947 in Société des Amis de Lyon et de Guignol (Gesellschaft der Lyon- und Guignol-Freunde) umbenannt wurde.
Wann Guignol nun wirklich zum Leben erweckt wurde, ist bis heute ungewiss. In der Literatur wird das Ende des 18. Jahrhunderts, aber auch das Jahr 1820 vertreten. Sicher ist nur, dass Guignol zu Beginn seiner Karriere kein Kinderspektakel war. Ganz im Gegenteil. Guignol spielte sich in den Kellern von Bars und Kabaretts in die Herzen der einfachen Leute. Die Aufführungen dienten seinerzeit dazu, Kunden anzuziehen, sie zu unterhalten und an die jeweilige Lokalität zu binden. Die Marionettenspieler bedienten sich der Intrigen bekannter Stücke und schmückten sie nach Lust und Laune aus, wodurch Improvisation eine große Rolle spielte. Hinzu kam, dass die Spektakel auch zur Verbreitung von Informationen genutzt wurden, die mit den Schiffern über die Saône oder die Rhône in die Stadt gelangten. Damals sprach Guignol noch mit dem Akzent der alteingesessenen Lyoner, der Seidenweber. Das Spiel mit der Sprache war zu der Zeit ein wichtiges Qualitätskriterium und ein Grund, warum Guignol so stark in der Welt der Seidenweber verankert war. Schon dann wurde er als mythische Figur beschrieben, die den „»guten« Lyoner repräsentierte. Hinter seiner einfachen Gestalt versteckte sich ein lebendiger und kritischer Geist, mit einem Herz voll Aufrichtigkeit und Rechtschaffenheit. In seinen Stücken trat Guignol für die kleinen Leute ein, denunzierte frech soziale Ungerechtigkeit und kritisierte mit Humor die Bürger sowie regionale und nationale Behörden. Mit seiner natürlichen, schlichten und direkten Art konnte sich das lokale Publikum schnell identifizieren. Die Stimmung in den so genannten Cafés-Théâtres à la Guignol, die größtenteils von Arbeitern besucht wurden, wird als deftig, locker und frei bis hin zu schlüpfrig beschrieben. Grund genug für den Präfekten des Departements Rhône, am 5. November 1852 diesem »schmutzigen Spiel«, das in seinen Augen die Moral und Sittlichkeit des Publikums gefährdete, mit einem Erlass zu begegnen: Ab sofort mussten alle Stücke vor der Aufführung schriftlich der Präfektur vorgelegt werden und dessen Zustimmung erhalten. Danach durften keine weiteren Änderungen mehr vorgenommen werden. Dieser Zensur ist die Überlieferung der ersten schriftlichen Zeugnisse gespielter Stücke zu verdanken.
Später kam es zu Veröffentlichungen der Theaterstücke mit Guignol in der Hauptrolle. Der Magistrat Jean-Baptiste Onofrio (1814–1892), Liebhaber der Linguistik und des Marionettentheaters, publizierte 1865 als erster eine Zusammenstellung von 20 Stücken mit dem Titel Théâtre lyonnais de Guignol. Damit lieferte er einen großen Beitrag zur Wahrung dieser lokalen Volkstradition. Aufgrund des schlechten Rufs der Cafés-Théâtres à la Guignol besuchte Onofrio die Aufführungen heimlich und wählte aus dem Repertoire mit Bedacht kleine Komödien und moralische Geschichten aus. Anschließend machte er sie salon- und veröffentlichungsfähig, indem er die Stücke in gutes Französisch umschrieb. Guignol wurde auf diese Weise zum Vertreter der moralischen Bildung. Ab 1870 hielt die berühmte Handpuppe langsam Einzug in alle gesellschaftlichen Schichten und vor allem in die Kinderzimmer der Bourgeoisie. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Guignol dann schließlich zur Touristenattraktion. Die Zeit der Cafés-Théâtres à la Guignol als ein Ort der alltäglichen Unterhaltung der Arbeiterklasse war damit vorbei. Guignols Erfolg als Prototyp des »guten Lyoners« brachte jedoch auch seine Kehrseite mit sich, denn im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts machten die Franzosen von ihm auf allen Ebenen des sozialen, politischen und kommerziellen Lebens Gebrauch. So kam es mit zahlreichen weiteren Veröffentlichungen von Guignol-Stücken zwischen 1870 und 1914 zur Bildung zweier Lager: Auf der einen Seite die Vertreter des traditionellen Guignols, zu denen die Mitglieder der Société des Amis de Guignol zählten, darunter Angehörige der Familie Mourguet, auf der anderen Seite die von ihnen als »Verräter« betitelten Vertreter eines »moderneren« Guignols. Die »Verräter« strebten nach Neuerungen, indem sie kühne und lockere Witze sowie die Sprache der Canuts aus den Stücken verbannten. Sie wollten das Puppentheater dem Zeitgeschehen anpassen und damit das größtmögliche Publikum erreichen.
Heute werden alle möglichen Formen des Guignol-Theaters angeboten: Modern geschriebene Stücke sowie Klassiker in traditionellem Lyonnais, aber auch das angesagte Vokabular aus den Vororten der Stadt hat Einzug in Guignols Wortschatz gehalten. Derzeit bietet sich die beste Gelegenheit, Guignol und seine Heimatstadt zu entdecken. Zum Jubiläum finden eine Vielzahl interessanter Veranstaltungen rund um die Handpuppe statt.
Veranstaltungskalender und weiterführende Informationen finden Sie unter:
Dossier von culture.lyon.fr: www.culture.lyon.fr
Dossier der Lyonnaiser Stadtbibliothek: www.pointsdactu.org
Internetseite der Société des Amis de Lyon et de Guignol: www.amisdeguignol.free.fr
Quellen:
SAUNIER, Pierre-Yves (1993): De la poupée de bois à l’emblème territorial: Guignol de Lyon. In: Le monde alpin et rhodanien, 3e – 4e trimestres 1993, pp. 57-88.
TABEY, Jean-Paul (2005): Guignol, marionnette lyonnaise. Editions Alan Sutton, Saint-Cyr-sur-Loire
Die Protagonisten |  | |
Bei allen historischen Veränderungen ist die Konstellation der Figuren immer gleich geblieben: Guignol tritt stets in Begleitung von Gnafron auf, zwei Charaktere die sich gegenseitig ergänzen. Der erste stürzt sich mit jugendlicher Naivität in den Kampf zur Verteidigung der Schwächsten und macht dabei gerne Gebrauch von seinem Schlagstock. Dabei sieht er sich jedes Mal dem Gesetz gegenüber, das der Richter Bailli verkörpert. Dessen Entscheidungen werden ohne Überlegung vom Gendarm ausgeführt, was in der Regel zu den legendären Prügeleien führt. Gnafon hingegen ist älter und ruhiger, kann sich jedoch nicht von seiner Beaujolais-Flasche trennen und feiert begeistert mit Guignol. Das ist Madelon, der Frau von Guignol, ein Dorn im Auge, und sie versucht unerlässlich, ihn zur Vernunft zu bringen. Sie hat den bissigen Charakter einer »Meckerziege«. Weitere Figuren erhalten ihren Platz je nach Bedarf. Die Toinon verkörpert zum Beispiel entweder die schwungvolle Frauenrollen oder die Ehefrau von Gnafron. Louison, ein junges und liebenswürdiges Fräulein, wird als Tochter von Guignol oder des Gendarms eingesetzt. |

Sonderausgabe zum deutsch-französischen TagNobody’s perfectvon Céline Moison und 13 Mitgliedern der Redaktion, Übersetzung Sina Tschacher, erschienen am 22.01.2008
Nein, Goethe ist kein Gott, der Vorname Salah ist kein Schimpfwort und der kleine Finger verspeist keine Haselnüsse im Garten. Eine Sprache zu lernen, das bedeutet auch, Fehler zu machen, hin und wieder Fehlschläge hinzunehmen, sich danach wieder aufzuraffen und gestärkt weiterzumachen, bereit, die fremde Sprache im Sturm zu erobern. Manche Irrtümer prägen uns mehr als andere, weil sie in der Öffentlichkeit passierten, weil sie uns die schönste Blamage unseres Lebens bescherten oder einfach nur, weil wir alle Welt mal so richtig zum Lachen gebracht haben. Um das wieder einzurenken, haben sich die Redaktionsmitglieder von rencontres.de folgende Frage gestellt: Erinnerst du dich an deinen peinlichsten Französischfehler (für die Deutschen)? Und an deinen peinlichsten Deutschfehler (für die Franzosen)? Nina Reichow, 29, Deutsche, Erfurt In einer Geschichtsvorlesung in Frankreich war einmal von »les saints« die Rede, dabei ging es aber nicht um Heilige, sondern um die Beschreibung eines Gemäldes. Ich verstand nur noch Bahnhof, aber mein Sitznachbar klärte mich grinsend darüber auf, dass dieselbe Aussprache sich auf zwei verschiedene Begriffe bezieht: nämlich auf die Heiligen (»les saints«) ebenso wie auf die weibliche Brust (»les seins«).
Elisa Erkelenz, 20, Deutsche, Bonn Meinen peinlichsten Fehler im Französischen beging ich im Literaturunterricht in Frankreich. Ich war gerade seit zwei Wochen dort, als mich meine Lehrerin fragte, ob ich »Goethe« kannte. Bei ihrer Aussprache verstand ich so viel wie »göd«, was ich als »Gott« interpretierte, und antwortete leicht irritiert, dass ich nicht besonders gläubig sei.
Emilie Heimburger, 27, Französin, Braunschweig Neben meinen unvermeidbaren »Gürtel« oder »Gurgel« anstelle von »Gurke«, entdeckte ich eines Abends bei deutschen Freunden eine neue Wortverwechslung. Auf die Frage: »Willst du einen Tee?«, antwortete ich, dass ich lieber eine »Infusion« hätte. Ungläubige Minen: Die sind verrückt, die Franzosen. Die Überprüfung ergab: »Infusion« steht zwar im deutschen Wörterbuch, aber ist weit davon entfernt, die beruhigende Wirkung eines Kräutertees zu haben. Wenn man es sich genau überlegt, hatte ich Glück, dass sie mich nicht direkt ins Krankenhaus oder zumindest in die Irrenanstalt gebracht haben.
Kristina Köhler, 26, Deutsche, Weimar L’étrange étranger Nach dem Abitur ging ich für ein Jahr als Au-Pair-Mädchen nach Brüssel, wo ich einen Belgier kennenlernte, in den ich mich unsterblich verliebte und mit dem ich lange Zeit zusammen war. Bei unserem ersten Rendezvous müssen meine Hormone verrückt gespielt haben; denn als ich ihn auf sein ausländisches Aussehen ansprechen wollte, sagte ich zu ihm »tu as lair étrange«. Der ohnehin völlig überflüssige Hinweis auf seine nationale Herkunft verstrickte sich so zu einem peinlich direkten Kommentar: Du siehst seltsam aus. Er nahm es mit Humor und sah mir auch in den folgenden Wochen nach, dass ich mich fortlaufend zwischen »blague« (Witz) und »bague« (Ring) sowie »château« (Schloss) und »chapeau« (Hut) verplapperte. Christoph Sanders, 22, Deutscher, Tübingen Bei einem deutsch-französischen Workshop des DFJW in Lyon wurde innerhalb des Rahmenprogramms auch sogenannte Sprachanimation angeboten. Spielerisch sollten hier beide Sprachen kooperativ vermittelt werden. Jede Gruppe sollte eine kleines Spiel vorbereiten und es dann den anderen vorführen. Wir wollten in beiden Sprachen die Namen aller Finger beibringen. Beim Spielen begann ich mit dem kleinen Finger und sagte: »écureuil« statt »auriculaire«. Das Gelächter war groß, denn der kleine Finger war zum Eichhörnchen geworden.
Moïra Berger, 29, Französin, Hamburg Mir war lange nicht ganz klar, dass es einen Unterschied zwischen »Brüste« und »Bürste« gibt. Sie können sich also vorstellen, wie überrascht und belustigt mein Freund guckte, als ich ihn mal fragte: »Kannst du mir bitte die Brüste geben, um meine Schuhe zu putzen?« oder »Ich habe neue Brüste gekauft, um den Abwasch zu machen.« Heute noch, obwohl ich die Wörter schon tausendmal falsch benutzt habe, muss ich zweimal überlegen, wo die Brüste, hä, die Bürste ist, wenn ich mir die Haare kämmen will.
Sophie Rudolph, 29, Deutsche, Berlin Eine Bekannte von mir war als Sprachassistentin in einer französischen Schule. In ihrer Klasse gab es einen marokkanischen Jungen mit dem Namen »Salah«. Sie merkte sich den Namen falsch und als er sich meldete, zeigte sie auf ihn und nannte ihn »Saloh«, was für die französischen Kinder wie »Salaud« klang. Der Junge war sichtlich geschockt, weil er sich diskriminiert und beleidigt fühlte, was sie aber nicht verstand und deswegen nochmal auf ihn zeigte und wieder »Salaud« zu ihm sagte. Die Klasse wurde unruhig. Dann stand ein kleines Mädchen auf, zog sie am Ärmel und sagte zu ihr: »Mais Madame, c’est vulgaire.«
Céline Moison, 30, Französin, Hamburg »- Klaus, was bedeutet »stunt«? - Dieses Wort gibt es nicht. - Na doch, ich sehe es doch hier vor mir, in dem deutschen Text, den ich übersetzen soll. - Häh? Unmöglich, das ist kein Deutsch. - Doch. Hier steht es: Ein Stunt-Mann.« Schallendes Gelächter im ganzen Raum: stuntman ist ein englisches Wort, auf Französisch heißt es »cascadeur« und für meine deutschen Freunde bedeutete es vor allem eine Gelegenheit mehr, sich auf meine Kosten lustig zu machen.
Christiane Lötsch, 27, Deutsche, Berlin In der zehnten Klasse auf dem Französischen Gymnasium hatten wir einen unglaublich strengen Französischlehrer, Monsieur Würtz, der beim Diktat für jeden Orthographiefehler einen Punkt und für jeden Grammatikfehler zwei Punkte abgezogen hat. Das führte dann zu grotesken Ergebnissen wie -5/20 und Ähnliches. Bei der Rückgabe von Diktaten zitterte also die ganze Klasse, zumal Monsieur Würtz zu jedem Schüler noch einen Kommentar abließ. Als die Reihe an mich kam, sagte er: »Et Christiane a eu le bonbon«, worüber ich mich natürlich freute, denn ich hatte nur »bonbon« verstanden und mir ein positives Resultat im Diktat vorgestellt. Leider entging mir die Ironie des Satzes – das wurde mir erst bei Ansicht meiner Note klar: 0,05/20.
Céline Maurice, 31, Französin, Hamburg Zu Beginn meines Lebens in Deutschland arbeitete ich am Empfang einer Sprachenschule. Empfang gleich Telefon - und Panik jedes Mal. Das Schwerste war, die Namen der Anrufer zu notieren. Denn jedes Mal, wenn ich die Person bat, mir ihren Namen zu buchstabieren und sie Samuel Theodor Emil Friedrich Anton Nordpol antwortete, versuchte ich, diese Vornamenlawine sorgfältig mitzuschreiben und fand, dass Nordpol immerhin ein wirklich poetischer Nachname sei. Doch es waren viel zu viele Vornamen, um sie alle aufschreiben zu können. Zum Glück erklärte mir schließlich jemand dieses merkwürdige deutsche Buchstabiersystem. Eine kleine Zusammenfassung gefällig? A: Anton, B: Berta, C: Cäsar, D: Dora, E: Emil, F: Friedrich, G: Gustav, H: Heinrich, I: Ida, J: Julius, K: Kaufmann, L: Ludwig, M: Martha, N: Nordpol, O: Otto, P: Paula, Q: Quelle, R: Richard, S: Samuel, SCH: Schule, T: Theodor, U: Ulrich, V: Viktor, W: Wilhelm, X: Xanthippe, Y: Ypsilon, Z: Zacharias, Ä: Ärger, Ö: Ökonom, Ü: Übermut
Manuela Wolter, 25, Deutsche, Berlin Als ich mit gerade 19 Jahren als Au-Pair nach Paris gegangen bin und mich die Herbergsmutter nach der ersten Woche fragte, wie ich mit ihren beiden Jungs auskäme, antwortete ich stolzerfüllt »C’est superbe, ils me baisent tout le temps.« Die Mutter verließ erschrocken den Raum. Ein französischer Freund erklärte mir dann, nachdem er sich nicht mehr vor Lachen krümmte, dass daran allein der Schulunterricht schuld sei: Wir lernen eben noch immer das Vokabular von Molière anstatt auf den französischen Alltag vorbereitet zu werden. Saskia Schuster, 26, Deutsche, Berlin Eine Freundin und ich gingen in die Rue St Lazare in einen Fotoladen, ich wollte dort Abzüge abholen. Als wir in das Geschäft kamen und an die Theke traten, war noch eine Kundin vor uns an der Reihe. Eine zweite Verkäuferin kam aus den hinteren Räumen und fragte mich: »Vous êtes ensemble?«, worauf ich energisch verneinte, da ich verstanden hatte »Vous êtes enceinte?« War ich so dick geworden, dass inzwischen andere Leute denken mussten, ich sei schwanger? Sollte ich vielleicht doch mehr Sport ? Und warum sprach mich die Verkäuferin darauf überhaupt an, durften schwangere Leute keine Fotos abholen? Diese Gedanken wurden unterbrochen, als meine Freundin mich etwas genervt anfuhr, warum ich denn leugnen würde, dass wir zusammen dort seien. Erst hier wurde mir klar, was die Verkäuferin wirklich gemeint hatte. Peinlich berührt entschuldigte ich mich bei meiner Freundin und fragte die Verkäuferin nach den Fotos.
Ariane Kujawski, 21, Französin, Dresden Mein schlimmster Deutschfehler passierte mir letztes Jahr, als ich über die Schießerei sprach, die in der Nähe von Köln stattgefunden hatte. Ich fragte meine Mitbewohner, ob sie schon von diesem Verrückten gehört hätten, »der in einer Schule auf jeden geschissen« hätte. Natürlich wollte ich »auf jeden geschossen sagen, aber zwischen »schießen« und »scheißen« kam meine Zunge ins Schleudern - zum großen Vergnügen meiner Mitbewohner.
Juliane Seifert, 26, Deutsche, Berlin In der elften Klasse nahm ich an einem Schüleraustausch nach Frankreich teil. Als ich zu Beginn meines Aufenthalts einmal mit meiner Gastmutter einkaufen war, juckte mein Arm plötzlich wie verrückt. Eine Mücke hatte mir einen ziemlich großen Stich verpasst. Da ich kurz stehen blieb, um den Stich genauer zu inspizieren, fragte mich meine Gastmutter was los sei. Und ich antwortete: »J’ai été piquée par une moustache.« Es dauerte eine Weile bis ich verstand, warum sie in schallendes Gelächter ausbrach. Ich hatte die französischen Wörter »moustache« (Schnurrbart) und »moustique« (Mücke) verwechselt. 
Deutschland, deine Abkürzungen – ein Buchstabensalatvon Nina Reichow, erschienen am 15.11.2007
Weshalb verspüren wir Deutschen den unbändigen Drang, für alles eine Abkürzung zu suchen? Ist es die Angst, umständliche Bezeichnungen für Institutionen, Aktienpapiere oder neueste technische Errungenschaften falsch zu schreiben? Oder liegt unsere Liebe womöglich doch nicht im Detail? In der Kürze liegt die Würze, heißt es nicht umsonst im Volksmund. BSP, DFB und BFA, GEZ, MdB und dpa… Die Liste der mehr oder weniger gebräuchlichen Abkürzungen könnte bis ins Unendliche fortgesetzt werden. Wer behält da noch den Überblick? Und wenn wir Muttersprachler schon Schwierigkeiten bei der Entschlüsselung dieser Geheimschrift haben, wie muss es dann einem Fremdsprachler ergehen?
Das Phänomen der Abkürzungen ist nicht neu: 1999 kam von den Fantastischen Vier das Lied MfG heraus. Mehr als achtzig Abkürzungen packten die Hiphop-Musiker in wenige Liederzeilen – Sinnbild für die Abkürzungswut der Deutschen. Ist es nur ein Gefühl, dass die Flut der Abkürzungen seitdem rasant gestiegen ist? Nein, der Duden sieht das auch so. Die Spezialausgabe des deutschen Standardnachschlagewerks über Abkürzungen wächst stetig. Aktuell verzeichnet der Band rund 50.000 nationale und internationale Abkürzungen und Kurzwörter. Unter Abkürzungen fallen dabei rein schriftliche Formen wie Hbf. oder Dr., mit Kurzwörtern meint das Wörterbuch Formen, die geschrieben und auch so gesprochen werden, etwa Uni für »Universität« oder GmbH für »Gesellschaft mit beschränkter Haftung.« Alleine von der vierten zur aktuellen fünften Auflage sind 10.000 Einträge hinzugekommen. Herausgestrichene Einträge sind dabei nicht berücksichtigt – trotzdem ist es ein beachtlicher Zuwachs für einen Zeitraum von sechs Jahren.
Heute stößt man in allen Lebensbereichen auf originelle Abkürzungswörter, deren Existenz einzig darin begründet liegt, dem Volk komplizierte Bezeichnungen schmackhafter zu machen. Diese Akronyme, also aus den Anfangsbuchstaben oder Anfangssilben einer Bezeichnung gebildeten Wörter, sind überaus medienwirksam. Sie lassen sich leicht im Gedächtnis behalten und schnell an der Tastatur von Computer oder Mobiltelefon tippen. So wie etwa die auch im Deutschen verwendete Abkürzung OLAF. Gemeint ist dabei nicht der nette Herr von nebenan, sondern das Europäische Amt für Betrugsbekämpfung (vom Französischen »Office européen de Lutte Anti-Fraude«). Auch ver.di ist ein solches Akronym. Wer dabei allerdings an einen italienischen Komponisten denkt, ist auf der falschen Fährte und wird Mühe haben, den inhaltlichen Bogen zu der hier bezeichneten »Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft« zu schlagen.
Auch bei einem Blick in die Zeitung oder das Fernsehprogramm stößt man unweigerlich auf Abkürzungen wie DSDS oder GZSZ. Dass die Medien sie ebenso begeistert übernehmen wie die Scharen von Fans, ist inzwischen auch den Machern solcher Serien bekannt. Angeblich wurde der Serientitel »Alles nur aus Liebe« wegen des unsauberen Akronyms verworfen und in »Verliebt in Berlin« geändert. Die Fülle von Abkürzungen trägt nicht immer zur Vereinfachung der Kommunikation bei. Sie karikiert vielmehr das ökonomische Prinzip der Kürze, wenn rätselhafte und doppeldeutige Abkürzungen umständlicher Erklärungen bedürfen, um Verwechslungen zu vermeiden. Wer sich in diesem Dschungel der deutschen Abkürzungen zurechtfinden will, dem stehen passende Nachschlagewerke zur Verfügung. Wörterbucher der SMS-Sprache besiedeln den Buchmarkt und sind nicht nur für besorgte Mütter ein Rettungsanker, um zu verstehen, was der Sprössling ihnen per SMS mitzuteilen versucht. Die Begeisterung für Abkürzungen erfährt einen ersten Dämpfer, wenn in Einladungen die wenig einladende Kurzform u.A.w.g. steht. Diese Abkürzung ist mindestens so abschreckend wie ihre Ausformulierung förmlich ist: »Um Antwort wird gebeten.« Beide dürften Gäste eher vergraulen denn anlocken. Ebenso wenig einladend sind auch die Kürzel von Immobilienanzeigen. Wer unsicher ist, sollte sich von umzugserfahrenen Freunden beraten lassen, nicht dass aus der Suche nach einer kleinen Studentenbleibe ein Besichtigungstermin für den Kauf einer Eigentumswohnung wird, nur weil man das entsprechende Kürzel ETW für »Eigentumswohnung« nicht gleich einordnen konnte. Und unmittelbar auf den Einzug folgt in Deutschland in der Regel eine schriftliche Zahlungsaufforderung durch die GEZ. Nichts geschieht nämlich so sicher, wie die Erfassung der neuen Anschrift durch die »Gebühreneinzugszentrale der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in der Bundesrepublik Deutschland.«
Deutschland selbst hatte jahrzehntelang nicht nur eine sondern zwei Abkürzungen. Die Bundesrepublik Deutschland im Westen war damals schon die BRD, und im Osten machte sich kaum jemand die Mühe von der Deutschen Demokratischen Republik als vielmehr von der DDR zu sprechen. Die Jahre, in denen es zwei deutsche Staaten gab, haben auch die Sprache geprägt. So wurde in der DDR der OdF-Tag als Gedenktag für die »Opfer des Faschismus« abgehalten. Auch für manche Straßenbezeichnungen waren im Alltag Abkürzungen gebräuchlich, etwa KMA für die »Karl-Marx-Allee. « Auf einen Franzosen, der in Deutschland weilt, warten also allerhand sprachliche Herausforderungen. Umgekehrt haben es aber auch manchen Gäste nicht leicht, die es nach Frankreich verschlägt, denn der deutsche Wahn zum Abkürzen wird von einer Gruppe Franzosen in den Schatten gestellt: den Studenten. Das Tempo in den Vorlesungen ist rasant und ohne Kenntnisse der Stenographie für deutsche Studenten kaum mitzuschreiben. Die französischen Kommilitonen halten dem Tempo mit sehr effizienten Abkürzungen stand. Wer dieses System einmal durchschaut hat, findet sich spielend zurecht, beteuern diejenigen, die es bereits beherrschen. Überflüssige Endungen oder auch Vokale werden einfach gestrichen oder gekürzt. So wird aus »pour« ein verstümmeltes »pr«, aus »sur« ein »sr«, und die »constitution« wird zu »constituto«. Dieses System hat einen entscheidenden Vorteil: Austauschstudenten aus Deutschland schreiben garantiert nicht ab.
Zurück nach Deutschland: Im Jahr 2004 residierte das MoMA (das New Yorker »Museum of Modern Art«) in Berlin – auch so eine Abkürzung, die sich dank des großen Medienrummels um die Kunstausstellung in das Gedächtnis einer ganzen Nation einbrannte. Übertroffen wurde die Verbreitung dieser Abkürzung nur von der Fußball-WM, die als sportliches Großereignis das Jahr 2006 prägte. Nun sind wir im Jahr 2007, und es bleibt abzuwarten, wie lange der G8-Gipfel im Gespräch bleibt, und was wir über die »Gruppe der Acht« in Erinnerung behalten. In diesem Sinne: »MfG« und »cu« auf der nächsten WM!
Cartoon von Sibylle Möller
Zur weiterführenden Lektüre:
Duden – Das Wörterbuch der Abkürzungen, Bibliographisches Institut, 5., vollständig überarb. u. erw. Auflage, ISBN 13 978-3-411-05015-4, 9,95 € [D]
Das SMS-Buch der Abkürzungen, Eichborn, ISBN 978-3-8218-2261-7, 4,99 € [D]
PC- & IT-Abkürzungen von A-Z kompetent erläutert, dtv, ISBN 978-3-423-50250-4, 6 € [D]
Den Liedtext von MfG der Fantastischen Vier finden Sie unter: www.letssingit.com 
Moleskine: das kleine Schwarze mit großem Inhaltvon Alexandra Friedmann, erschienen am 15.05.2007
Kaum hat man es sich in seinem Lieblingsstuhl bequem gemacht, die Finger wagemutig über der Tastatur ausgebreitet, schon herrscht im Kopf die gähnende Leere. Denn Bewegung braucht der Schaffensgeist. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass mir die besten Einfälle immer woanders kommen – eben überall dort, wo man gerade nichts zum Schreiben hat. Doch die verzweifelte Suche nach Blatt und Bleistift fand ein Ende, als ich zum ersten Mal ein brandneues Moleskine in den Händen hielt. Auf den ersten Blick eher ein schlichtes, unscheinbares schwarzes Notizbuch, doch sollte es mein Schreiben von Grund auf verändern.
Neugierig auf sein Innenleben streifte ich vorsichtig das dünne Gummiband ab, welches das Büchlein zusammenhielt. Die weißen, unberührten Seiten übten eine merkwürdige Anziehungskraft auf mich aus, gerade so als schrien sie nach der Tinte meines Kugelschreibers. Hinten entdeckte ich eine Innentasche, in der sich die Notiz befand, die mich über die sagenhafte Geschichte meines zukünftigen Begleiters aufklären sollte.
»Moleskine ist das legendäre Notizbuch der europäischen Künstler und Intellektuellen der letzten zwei Jahrhunderte«, verriet der Zettel. Dieses Büchlein hatte also nicht nur mich in seinen Bann gezogen. Schon Ernest Hemingway soll es für seine Manuskripte benutzt haben. »Ich saß in der Closerie des Lilas in einer Ecke, das Nachmittagslicht brach über meine Schulter herein, und schrieb in mein Notizbuch«, erinnerte sich Hemingway. Vincent van Gogh gebrauchte das Moleskine für seine Skizzen. »Mein Notizbuch beweist, dass ich versuche, die Dinge als Momentaufnahmen einzufangen«, pflegte er zu sagen. Der Schriftsteller Luis Sepúlveda betrachtete das Moleskine als etwas ganz Besonderes: »Sitzend auf dem Weinfass, mit dem Gesicht zum Meer, im fernen Süden, mache ich Notizen in ein authentisches Moleskine, ein Museumsstück, das mir Bruce speziell für diese Reise gegeben hat.« Mit Bruce meinte Sepúlveda den englischen Schriftsteller und Weltreisenden Bruce Chatwin, der vor jeder Reise eine Unmenge dieser kleinen, in Tours hergestellten Notizbüchlein in einem Pariser Schreibwarenladen in der Rue de l’Ancienne Comédie erwarb. In seinem Roman Traumpfade taufte er seine kleinen, handlichen Reisebegleiter »les carnets moleskines«,Diese Bezeichnung leitete Chatwin vom charakteristischen Umschlag der Büchlein ab, der aus Moleskine-Leder bestand: einem schwarzen, wasserdichten Kunststoff, dessen englischer Name mole skin »Maulwurfshaut« bedeutet. Chatwin widmete seinen Lieblings-Notizbüchern detaillierte Beschreibungen und machte sie somit zu einer Berühmtheit unter ihresgleichen. Als Chatwin jedoch 1986 vor einer Australienreise hundert Exemplare bestellen wollte, überbrachte ihm die Verkäuferin eine Schreckensnachricht: Der Besitzer des Familienunternehmens in Tours sei kürzlich verstorben. Und dies bedeutete auch vorläufig den Tod seines geliebten Moleskines. Und doch, mehr als ein Jahrzehnt nach seinem Aussterben hielt ich es in der Hand. Dies hatte ich der italienischen Firma Modo&Modo zu verdanken, die ein Patent auf den Begriff »Moleskine« erwarb und das Notizbuch Ende der Neunzigerjahre wieder auf den Markt gebracht hatte. Das Konzept schlug ein. Das neue Moleskine, entworfen nach den Beschreibungen Chatwins, gibt es heute in den unterschiedlichsten Varianten: klassisch blanko, liniert, kariert, als Notenheft und sogar als Comic-Vorlage. Angeblicher Begleiter der größten Schriftsteller und Künstler des vergangenen Jahrhunderts ist das Moleskine zu einem internationalen Symbol des künstlerischen Schaffens geworden.
Mein Kugelschreiber glitt federleicht über die weichen Seiten, die sich schneller füllten als gedacht, und das Moleskine wurde auch mein treuer Begleiter. Besonders freute ich mich, als ich erfuhr, dass ein Privatfonds der Société Générale im August 2006 die Rechte an der Herstellung dieses legendären Büchleins erworben hatte. Man könnte fast sagen, das Moleskine sei von einer langen Reise in sein Geburtsland Frankreich zurückgekehrt.
Mein Moleskine ist bereits zur Hälfte gefüllt, und ich kann Bruce Chatwin nur recht geben: »Meinen Pass zu verlieren, war die geringste meiner Sorgen, ein Notizbuch zu verlieren, war eine Katastrophe.«
Quellen: www.modoemodo.it, www.wikipedia.org
MoleskineDas Moleskine, ein kleines Notizbuch, das sich durch ein vertikales Gummiband zum Zusammenhalten der Seiten und eine praktische Fächertasche an der Innenseite des Buchrückens auszeichnet, hat nicht nur Chatwin & Co. in seinen Bann gezogen. Es scheint heute wieder in Mode gekommen zu sein. Das Moleskine in seiner Urfassung war etwa 9 mal 14 Zentimeter groß, mit seidigem Blankopapier gefüllt und in so genanntes Moleskinleder (mole skin: »Maulwurfshaut«), einen schwarz gefärbten, wasserfesten Baumwollstoff, eingebunden.
Kleine französische Manufakturen vertrieben das Moleskine an die Pariser Schreibwarengeschäfte. Zuletzt wurde es von einem Familienunternehmen in Tours/Frankreich hergestellt, das 1989 jedoch die Produktion einstellte. Nach zehnjährigem Produktionsstopp erwarb die in Mailand ansässige Firma MODO&MODO 1998 das Patent für den Namen Moleskine und brachte das Büchlein wieder auf den Markt. Zwar hat das Unternehmen die praktische Innentasche und das feine Gummiband vom Original übernommen, der charakteristische Einband wurde jedoch durch ein anderes Lederimitat ersetzt. Ein kartoniertes Einlegeblatt informiert den Käufer über die Geschichte des Moleskine als legendärer Begleiter der Schriftsteller und Zeichner vergangener Jahrhunderte. Noch heute besticht das Moleskine durch sein traditionell schlichtes Erscheinungsbild, ist inzwischen aber auch in anderen dezent gehaltenen Farben erhältlich. Das Innenleben hingegen hat eine kleine Revolution erfahren: Neben den traditionellen Varianten wie blanko, liniert und kariert sind ausgefallene Versionen wie Aquarellpapier, Storyboard für Comics und Notenheft für musikalische Kreationen erschienen. Selbst die Bedürfnisse des modernen Journalisten werden mit eigens für dieses Metier kreierten Notizblöcken befriedigt, die sich im Gegensatz zu den anderen Moleskines vertikal aufschlagen lassen. Die neueste Erfindung steht ganz im Zeichen des reisenden Zeitgenossen: die Moleskine City Notebooks, erhältlich für zahlreiche Hauptstädte wie Berlin, London, Paris, Prag oder Rom. Diese »Blankoreiseführer« enthalten detaillierte Stadtpläne sowie praktische Extraseiten, die den Reisenden dazu animieren sollen, ein persönliches Stadtarchiv anzulegen.
Der wachsende Kultstatus des Moleskine und die steigende Nachfrage nach den funktionalen Notizbüchern haben auch andere Firmen dazu verleitet, ähnliche Büchlein herzustellen. So bietet die florentinische Firma Ciak ein artgleiches Notizbuch an, dessen Design sich nur in einem kleinen Detail von dem legendären Moleskine unterscheidet: das Gummiband verläuft nicht senkrecht sondern waagerecht. Innenleben und verarbeitete Materialien scheinen hingegen nahezu identisch. Selbst das kartonierte Einlegeblatt darf nicht fehlen, in dem Ciak sein Büchlein als »das Statussymbol der heutigen Schriftsteller und Reisenden« anpreist. Die Firma Paperblanks hat ihrerseits das Gummiband durch einen Magnetverschluss ersetzt. Ihr Sortiment ist breit angelegt und zeichnet sich durch aufwändig gestaltete Designs aus. Wie vielfältig die Ausführungen und Abwandlungen des Moleskine auch sein mögen, eines ist diesen Notizbüchern gemein: die Preisklasse. Will man Chatwins Schreibgefühl nachempfinden, muss man schon etwas tiefer in die Tasche greifen und je nach Format und Model zwischen 10 und 30 Euro springen lassen. |

Was ist eigentlich der Deutsch-Französische Tag?von Céline Moison, Übersetzung Barbara Kremer, erschienen am 22.01.2007
Der Elysee-Vertrag war gerade 40 Jahre her, als Jacques Chirac und der damalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder 2003 einen neuen Gedenktag für die deutsch-französischen Beziehungen eingeführt haben: den Deutsch-Französischen Tag am 22. Januar. Dieser Tag möchte die deutsch-französische Zusammenarbeit vertiefen und die jungen Menschen ermutigen, die Sprache des Nachbarlandes zu erlernen. An diesem Tag können alle schulischen Einrichtungen im Sekundarbereich, aber auch andere namhafte Vertreter der deutsch-französischen Partnerschaft, wie das DFJW, die Instituts Français oder das Goethe-Institut Realschüler und Gymnasiasten über die zahlreichen Austauschmöglichkeiten und Zusammenkünfte informieren, bei denen man die Sprache des jeweils anderen lernen kann oder wo man Informationen über Arbeitsmöglichkeiten in Frankreich oder Deutschland erhält. Der Deutsch-Französische Tag bietet vielfältige Möglichkeiten. Er steht jedes Jahr unter einem bestimmten Motto, welches von den Regierungen festgelegt wird. 2007 lautet das Motto in Frankreich „L'Allemagne, un pays à redécouvrir“ (Deutschland: neu entdecken), in Deutschland: „Frankreich: neu entdecken“. Bei dieser Gelegenheit sind die Schulen aufgefordert, deutsch-französische Treffen zu organisieren. Hier bietet sich den deutsch-französischen Institutionen und Unternehmen die Gelegenheit, über die zahlreichen Austauschmöglichkeiten zwischen den beiden Ländern zu informieren. So bietet dieser noch junge Gedenktag vielfältige Möglichkeiten der transdisziplinären Vernetzung und horizonterweiternde Begegnungen junger Menschen, die somit eine Annäherung der beiden Länder erreichen – ganz im Geiste des Elysée-Vertrags…  |  | |
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Der Elysée-VertragDer Vertrag wurde am 22. Januar 1963 im Elysée-Palast vom französischen Präsidenten Charles de Gaulle und dem deutschen Kanzler Konrad Adenauer unterzeichnet. Der Vertrag hatte nach den langen Jahren des Krieges und der Feindschaft die deutsch-französische Aussöhnung als vorrangiges Ziel. Er war der Grundstein für die binationale Zusammenarbeit, für Schüleraustausche und Städtepartnerschaften zwischen den beiden Ländern. Er ist heute eines der wichtigsten Symbole der deutsch-französischen Freundschaft. |

Ein Freund zum Boulespielen von Romy Straßenburg, erschienen am 01.11.2006
Der Prenzlauer Berg ist eine der beliebtesten Wohngegenden für junge Leute in Berlin. Dies hat sich auch unter den französischen Berlinern herumgesprochen und so hat sich hier in den vergangenen Jahren ein fester Kreis von Voll- und Halbblutfranzosen angesiedelt. Daneben gibt es jede Menge frankophile Deutsche, die sich der französischen Kultur und Sprache verbunden fühlen. Sie alle haben ein zweites Zuhause am nördlichen Ende der Dunckerstraße gefunden. Hier versteckt sich das Ami bouliste de Berlin – ein Verein, dessen Konzept mit « convivialité », Geselligkeit, am besten umschrieben ist, auch wenn er offiziell als »Verein für die Förderung der französischen Kultur im Kiez« eingetragen ist. Der größte Freund des Boulespiels und Betreiber des Ami ist der dreißigjährige Yoann, der vor drei Jahren aus der Pariser Banlieue nach Berlin kam. Am Anfang stand die Idee, eine Bar in der Hauptstadt zu eröffnen. Sie sollte an Pariser Straßencafés erinnern und eine familiäre Atmosphäre bieten. Das Interieur des heutigen Ladens stammt tatsächlich überwiegend aus Frankreich: Aschenbecher, Wasserkaraffen und nicht zuletzt das rote Tabac-Schild zeugen von der Detailliebe des Betreibers.  |  | |
Doch das Ami ist eben keine Bar, sondern ein Kulturverein. Was das heißt? Für Yoann heißt das Boule spielen (im Sommer), landestypische Küche (donnerstags) sowie Musik und französisches Kino. Jeden Mittwoch zeigt er kostenlos einen französischen Film mit deutschen Untertiteln. Die Auswahl der Filme zeugt von der Vorliebe des Hausherren für das neue französische Kino, aber auch die Gäste äußern gelegentlich Wünsche für das wöchentliche Programm.
An den übrigen Öffnungstagen ist die französische Kultur bei einem Glas Pastis bestens aufgehoben. Manchmal stehen auch außergewöhnliche Ereignisse, wie die Fußballweltmeisterschaft ins Haus, und die Stammgäste versammeln sich zum gemeinsamen Marseillaise-Singen und « Allez-les-Bleus »-Skandieren. Dann zeigt sich, dass in der Fremde immer ein Rest von Fernweh nach La douce France bestehen bleibt.
So ist das Ami Bouliste, kurz L’ABB, für die französischen Gäste wie ein Familientreffen und für die Deutschen der Besuch bei einer netten Gastfamilie. Vor allem aber ist das Projekt ein Beispiel für Eigenengagement im Kiez. Dies stellt momentan noch eine Seltenheit dar, denn nur einige hundert Meter weiter am schicken Helmholtzplatz oder auf der Kastanienallee genießt der hippe Großstädter die Vorzüge des Szeneviertels: Sushi, Cocktails, Coffee to go und so weiter. Yoann kommt es aber nicht darauf an, als trendy zu gelten, er will vielmehr einen Ort schaffen, an dem man auch außerhalb des Mutterlandes ein Stück Frankreich findet.
Ami Bouliste de Berlin Dunckerstr. 62 Di, Do und Fr ab 16.00 www.labb.info Dieser Artikel als Hördatei (1,5MB) (QuickTimePlayer»Download), (WindowsMediaPlayer»Download)
Interviewrencontres im Gespräch mit dem Präsidenten des Ami bouliste de Berlin, Yoann Kaplan
Was bedeutet der Name Ami bouliste?
Wir hatten tausende Ideen für einen Namen: Er sollte das Klischee der Deutschen von den Franzosen widerspiegeln, aber auch neugierig machen. So kamen wir auf Boulespielen, was wir selbst gar nicht richtig können. Na ja, aber es klang nicht schlecht und mit einem Ami, einem Freund, verbinden sich schließlich auch positive Vorstellungen. Am meisten aber lachen meine Freunde in Frankreich über den Namen, denn in ihren Ohren klingt das ziemlich komisch.
Worin siehst du die Aufgabe des Ami?
Ich sehe mich nicht als Repräsentanten eines deutsch-französischen Projektes. Das Ami soll ein Ort sein, der Franzosen – aber auch allen anderen Leuten – die Möglichkeit bietet, sich zu treffen und gemeinsam eine gute Zeit zu haben. Natürlich kommen viele Leute nicht aus Zufall, sondern kennen sich oder haben von Freunden vom Ami gehört. Seit seinem Bestehen gab es immer wieder bessere und schlechtere Zeiten. Während der Fußballweltmeisterschaft war es wunderbar – wir haben zusammen die Spiele gesehen und mit Frankreich gelitten.
Wie empfindest du das Leben in Berlin im Vergleich zu Paris?
Für mich ist Berlin wie jeden Tag Sonntag... Paris, das ist Montagmorgen, sieben Uhr. In Berlin kann man sich wie auf dem Land fühlen, es gibt Platz und man wird nicht erdrückt von all den Leuten. Es ist wirklich wie eine kleine Insel – die Lebenskosten und der Lebensrhythmus sind wesentlich entspannter. Aber trotzdem glaube ich nicht, in Berlin zu sterben, aber vielleicht auch nicht in Paris. 
Ein Plädoyer für die SuppeDas Suppenfestival in Berlin
von Britta Nelskamp, erschienen am 15.09.2006
Schon zum zweiten Mal und mit gleich bleibend großem Erfolg fand am 2. und 3. September 2005 in Berlin das Suppenfestival statt. Rund 25.000 Gäste kamen in den Genuss, von fast 80 Köchen verköstigt zu werden – mit Suppe natürlich. Und das völlig kostenlos dank zahlreicher Sponsoren und der Veranstalter des Suppenfestivals, dem Wrangelnetz und dem Internationalen Kunst- und Kulturzentrum für Jugendliche Schlesische 27.
Darüber hinaus trugen zahlreiche ehrenamtliche Helfer, Künstler und Musiker, teilweise aus Frankreich und Polen, zum Gelingen des Festes bei. Während es in den Töpfen noch blubberte, ließen sich die Gäste im Bezirk Kreuzberg auf vielfältigste Weise unterhalten. Ob Reggae oder Popmusik, Tanz oder Pantomime – auf verschiedenen Bühnen wurde für jeden Geschmack etwas geboten. Zentrales Ereignis der fête de la soupe war jedoch der Suppenwettbewerb, bei dem die beste Suppe von einer Jury gekürt wurde. Diese bestand aus elf Juroren, darunter Mitglieder des Fördervereins S27, Politiker und lokale Geschäftsleute. Am Suppenwettbewerb teilnehmen kann jeder Gourmet – vom Hobbykoch bis zum Profi. Im vergangenen September belegte die Käselauch-Suppe den ersten Platz. Große Begeisterung riefen auch die Linsensuppe und die Thai-Zucchini-Suppe hervor. Ihre Köche nahmen den zweiten und dritten Platz auf dem Siegertreppchen ein. Somit waren sowohl deutsche Klassiker als auch exotische Experimente wie zum Beispiel die Curry-Bananen-Suppe unter den prämierten Köstlichkeiten vertreten. Neugierigen Besuchern bot sich die Gelegenheit, bei der Zubereitung der Delikatessen dabei zu sein, und zur großen Freude aller Beteiligten gab es zahlreiche Kostproben. Bis in die späten Abendstunden zogen die Gäste wohl gelaunt von einem auf der Straße platzierten Tisch zum nächsten, um die köstlichen Suppenkreationen zu probieren. Gemeinsames Kochen beziehungsweise Essen als Zeichen für Gastfreundschaft und nachbarschaftliche Beziehungen waren selbstverständlich. Der Stimmung entsprechend stand das Suppenfestival unter dem Motto »Suppe kennt keine Grenzen«. Auf nachbarschaftliche Beziehungen lässt sich ebenfalls der Ursprung des Suppenfestivals zurückführen, denn die Idee stammt aus Frankreich. In der nordfranzösischen Stadt Lille wird schon seit 2001 jährlich ein Suppenfestival, La Louche d’Or (Die Goldene Suppenkelle), veranstaltet. Dieses beschränkte sich zunächst auf einen recht kleinen Kreis von Mitwirkenden. Was im Kleinen begonnen hatte, verbreitete seinen Ruf und den appetitlichen Duft der Suppe doch schon bald über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus, sodass sich aus dem Nachbarschaftsfest ein kulinarisches Festival mit internationalem Charakter entwickelte.
Wenngleich die fête de la soupe in diesem Jahr mangels Sponsorengelder leider nicht stattfinden kann, machen wir uns mit einer exotischen Curry-Bananen-Suppe Appetit auf ein kulinarisches Jahr 2007. In diesem Sinn: Bon Appetit!
Weiterführender Link und Fotos © www.fete-de-la-soupe.de
Curry-Bananen-Suppe1 Zwiebel 1 Knoblauchzehe 1–3 EL Curry 30 g Butter 40 g Mehl 3 reife Bananen 1 l Hühnerbrühe 100 ml süße Sahne 1 EL feingehackte Pistazien
Zwiebeln und Knoblauch hacken und in der Butter glasig anschwitzen. Das Curry darüber geben und kurz anrösten. Dann das Mehl darüber stäuben, kurz noch mitbraten lassen und dann mit der Brühe nach und nach ablöschen. Die Bananen in Scheiben schneiden, 2 Bananen in die Suppe geben, alles 10 Minuten kochen lassen. Dann mit einem Pürierstab pürieren und mit Salz und Curry abschmecken. Die dritte Banane dazugeben. Die Sahne unterrühren, nach dem Aufgeben die Suppe mit den Pistazien bestreuen.
Guten Appetit! |

Französische Supermärkte – Zwischen Staunen und Verzweiflungvon Britta Nelskamp, erschienen am 01.01.2006
»Ich geh mal eben schnell Milch kaufen«, war meistens nicht möglich. Dafür war der von mir favorisierte Supermarkt zu weit entfernt. Also hieß es am Wochenende: raus aus der Stadt, rein ins Kaufparadies. Das Staunen war zu Anfang groß. Hier konnte man Stunden damit verbringen, zwischen den endlos langen Regalen herumzuschlendern und sich einfach nur zu wundern, was es alles in einem einzigen Laden zu kaufen gibt: nicht nur Lebensmittel, sondern auch Bücher, CDs, Fahrräder, Waschmaschinen, Geschirr, … Und das alles auf einer Fläche, die um ein Vielfaches größer ist, als die des durchschnittlichen deutschen Supermarkts. Mit Begeisterung fing ich dann also an, die Dinge zusammenzusuchen, die auf meiner Liste standen – und noch einiges mehr, nämlich so viel wie ich gerade noch tragen konnte, denn – wenn man schon mal da ist …
Eine halbe Ewigkeit konnte ich das Angebot an Keksen und Schokolade bestaunen – sah das nicht alles noch viel leckerer aus als in Deutschland? Wie viele Monate werde ich wohl brauchen, um das alles auszuprobieren? Werde ich danach noch in meine Jeans passen? Ach, zum Teufel mit dem schlechten Gewissen! Die anfängliche Euphorie machte jedoch bald einer etwas pragmatischeren Einstellung Platz: Wie viel Geld habe ich? Was brauche ich? Wie und wo finde ich das in weniger als zwei Stunden? Nachdem ich mich recht zügig durch die Obst- und Gemüseabteilung gekämpft hatte, warf mich das Kühlregal in meinem Zeitplan deutlich zurück. Sicher mehr als 30 Meter an Milchprodukten – Käse natürlich nicht mit eingerechnet, der nimmt noch mal den gleichen Platz ein – sind gar nicht so leicht zu überblicken. Nach einer halben Stunde und mit fast erfrorenen Füßen hatte ich schließlich die Joghurtsorte meiner Träume gefunden: Apfelkuchen. Sorten wie Lakritz oder Pfefferminz stand ich doch noch etwas skeptisch gegenüber– hat das wirklich schon mal jemand gegessen? Auch mein Geldbeutel fand das erschwinglich, denn ich hatte mich nach langem Überlegen für die extra-große Familien-Sonderangebots-Packung entschieden. Auch das scheint typisch für französische Supermärkte zu sein. 16 mal Apfelkuchen, nun ja ... Bei den Kosmetikartikeln wollte ich wieder ein bisschen Zeit aufholen. Das erwies sich jedoch als Fehler. In der Annahme, man könne da nicht allzu viel falsch machen, griff ich nach dem erstbesten wohlriechenden Shampoo. Dachte ich zumindest. Leider stellte ich meinen Irrtum erst zu Hause fest: Eignet sich Bodylotion zum Haarewaschen? Nein? Ganz sicher nicht? Schade.
Ich beschloss also, in Zukunft genauer hinzuschauen, was ich da gerade kaufe, weshalb ich wieder Stunden im Supermarkt verbrachte. Ich brauchte Backpulver. Mit dem Wörterbuch bewaffnet machte ich mich also auf die Suche nach Backzutaten. Bereits das gestaltete sich als langwierig. In der hintersten Ecke wurde ich schließlich fündig. Die Auswahl war alles andere als überwältigend groß. Backen die Franzosen nicht gerne? Trotzdem sah ich mich auch hier wieder vor ein, in diesem Fall sprachliches Problem gestellt. Und mein Wörterbuch war mir dabei keine große Hilfe. Es gab nämlich nur ein einziges Wort an für Backpulver und Hefe: levure. Dass es zwischen diesen beiden Zutaten einen himmelweiten Unterschied gibt, brauche ich wohl kaum zu erklären. Das werden doch auch die Franzosen wissen, oder? Nach verzweifeltem Haareraufen riskierte ich einen Versuch: Diesmal hatte ich mehr Glück als beim Shampoo – zumindest sah das, was ich da gekauft hatte, aus wie Backpulver. Mein Wörterbuch habe ich von da an lieber gleich zu Hause gelassen.
Zurück in der Heimat brauche ich mir zwar keine Sorgen mehr machen, dass mein Kuchen nach Hefe schmecken könnte, aber irgendwie fehlt mir dieses absolut einmalige Einkaufserlebnis doch. Und an Apfelkuchen-Joghurt hätte ich mich auch gewöhnen können. 
Süß-saures Deutschlandvon Jean-Francois Renault, erschienen am 15.09.2005
In diesem Land, so nah und manchmal doch so seltsam, bedeutet »süß« auch »niedlich«. Stellen Sie sich das mal vor: »Ist das Nesthäkchen der Nachbarin nicht zuckrig!«.
Und als ob das nicht ausreichen würde, um die Gutwilligen zu entmutigen, um die letzten Mohikaner zu demoralisieren, die immer noch versuchen, die Sprache Goethes zu lernen, heißt »sauer« zugleich »schlecht gelaunt«.
Nun werden Sie mich fragen: Wenn bei diesen Leuten Zucker in Unmengen überall bis in der Leberpastete (tatsächlich ist es eine Leberwurst), im Senf, an den Erbsen, im Milchreis und der Salatsauce zu finden ist, handelt es sich dabei um eine kleine Schwäche*?
Um ehrlich zu sein, habe ich keine Ahnung. Umso mehr, als für mich – seit Ende des Kalten Krieges in den Birkenwäldern Brandenburgs verirrten Südstaatler – Zucker etwas Wunderbares und noch wichtiger, Natürliches ist. Es ist Honig mit herrlichem Blumengeschmack, jedes authentische reife Obst oder – Gipfel der Vollkommenheit – frisch gepresstes Zuckerrohr. Notfalls macht es auch Rohzucker.
Jedoch verschwindet jenseits des Rheins der Honig meist in den Tee, der selber sehr oft nichts anderes ist, als ein Aufguss mit Kräutern und getrockneten Blüten.
Dort ergötzt man sich an Früchten, die gerade mit der Schule fertig, grün und zwar nicht nur hinter den Ohren sind, die zwischen den Zähnen knistern und Ausdünstungen aus dem Urwald, aus der grünen Hölle ausstoßen. Der englische Apfel Granny Smith ist das unumgängliche Modell, das man mit Bananen, Birnen und sonstigen Kiwis zu erreichen versucht. Die einzigen Früchte, die im reifen Zustand verzehrt werden, sind die roten Beeren aus dem Garten: Johannisbeeren und Sauerkirschen, die selbstverständlich mit einer guten Dosis Zucker genossen werden. Hoffen wir nur, dass auch der Zahnarzt niedlich sein wird. Und bester Laune.
Rohrzucker bleibt die Domäne der Umweltbewegten und weiteren fair handelnden Exoten. Dass der Chemie-Ingenieur, der den industriellen Prozess zur Gewinnung von Zucker aus Rüben erfunden hat, Deutscher war, ist somit kein Zufall. Ist nicht weißer, raffinierter Zucker viel süßer als Rohzucker?
Alles in allem sind wir vielleicht noch einmal die unbewussten und unschuldigen Opfer einer historischen Entwicklung, die uns verfolgt, als ob sie unsere Gene modifiziert hätte: Die Deutschen haben nicht, wie es die Franzosen und Briten Jahrhunderte lang getan haben, um die »Zuckerinseln« gekämpft.
Zucker wird auch in großen Mengen im Kaffee getrunken. Was den Kaffee angeht, so bevorzugt man, ohne es zu wissen – denn auf dem Etikett steht höchstens etwas von »sonnengereiften Bohnen…« die besten Sorten Arabica aus den Hochplateaus Lateinamerikas, der Karibik und Ostafrikas. Diese ausgesuchten Bohnen (aus unerklärlichen Gründen mutieren die französischen »Kaffeekirschen« und »Kaffeekörner« auf Deutsch alle zu Kaffeebohnen) werden auf besondere Weise behandelt. Diese weltweit einzigartige Technik, wird von Chinesen "German Blend“ genannt und besteht darin, die Bohnen bei niedriger Temperatur lange zu rösten, um Vitamine und Säure zu konservieren. Eine Röstung auf Sparflamme, die das genaue Gegenteil vom Elektroschock ist, welchem wir den Espresso verdanken.
Wir werden keinen Nachdruck auf die Tatsache legen, dass der Zucker sich nach dem Hinunterschlucken sehr schnell in Säure umwandelt. Unsere Geschmacksnerven sind schon mit Interkulturellem sehr beschäftigt. Den russischen Chemiker Mendelejew lassen wir lieber beiseite. Auf die Gefahr hin, als Provokateur verstanden zu werden, behaupte ich laut und deutlich, dass auch ohne Zucker, Säure die Grundlage deutscher Ernährung darstellt. Meist verschwindet der saure Geschmack bei der Übersetzung ins Französische. Das harmlose Wort « choucroute » zum Beispiel, mit dem Sie vielleicht und sogar zweifellos angenehme Erlebnisse verbinden, ist nichts anderes als die sehr gemilderte** Übersetzung des deutschen Wortes »Sauerkraut«. Das Sauerkraut wird übrigens nicht wie elsässisches « Surkrut » im Riesling gekocht, sondern mit Zucker versetzt.
Mit Rücksicht auf Ihre Geduld und weil ich keine Lust habe, mich auch noch mit allen Slawen von Cottbus bis Wladiwostok zu streiten, werde ich so tun, als ob ich die unsagbaren Quälereien, die Gurken, roter Beete. und so weiter zugefügt werden, indem sie im besten Alter in eine gesüßte Essig-Lösung geworfen werden, ignorieren würde. Ist dann Essig*** »Wein mit schlechter Laune«? Aber nein, und übrigens ist der in Deutschland meist verbreitete Essig, die Essigessenz, mit Wasser vermischte industrielle Essigsäure. Zucker wird auch dem Moselwein reichlich zugegeben, um ihn netter zu stimmen. Oft steigt es ihm zu Kopf und davon wird er böse. Beruhigen Sie sich, diese Sorte Wein ist vor allem für den Export in Gegenden bestimmt, deren Namen ich verschweigen werde. Ferner ist das eine hervorragende Unterstützung des Verkaufs von Acetylsalicylsäuretabletten, einer weiteren kulinarischen Erfindung aus dem Rheintal.
Interessanter, da niemand, nicht einmal der Tourist auf der Durchreise, verschont wird: die unvermeidbaren Kohlesäureblasen, ohne die weder das Bier noch der Sprudel und nicht einmal der Sekt das wären, was sie sind. Für die Cola gilt das gleich, nur ist das eine andere Geschichte. Heute stehen Erfindungen von emigrierten Apothekern nicht auf der Tagesordnung.
Zucker und Säure. Es fehlt nur noch Tomatensoße und man hat Ketchup. Der »Kachiap«, ursprünglich eine Spezialität aus Malaysia, ist vom Allgäu bis nach Friesland, vom Rhein bis an Oder sehr beliebt. Kaum hat man die lothringische Ebene verlassen, ist man schon im Vorzimmer Asiens.
Was können wir daraus schließen? Dass der Grund dafür, dass meine berühmten und niedlichen Nachbarn östlich des Rheins oft eingeschnappt sind, ihr saurer Diätplan ist? Das ist wissenschaftlich nicht bewiesen. Nun, wenn ich Ihnen einen Rat geben darf, machen Sie es wie die Deutschen: Neutralisieren Sie Ihr Essen durch Stopfen mit Erdknollen oder besser, gehen Sie zum Italiener oder zum Inder an der Ecke essen. Und wenn Sie zu der »Mehrheit der Franzosen, die unter Sodbrennen leiden« gehören, von der Le Monde berichtete, dann, um allen Eventualitäten vorzubeugen, vergessen Sie nicht Ihre Büchse Natron.
* »kleine Schwäche« heißt auf Französisch « péché mignon » (wortwörtlich: »niedliche Sünde«) ** Auf Französisch heißt »mildern« auch »versüßen«. *** Das französische Wort für « Vinaigre » lautet wortwörtlich übersetzt »Sauerwein«.
(Auszug aus Petites histoires franco-allemandes – Tout sur la culture gastronomique allemande, Deutsch-französische Kurzgeschichten- alles über die deutsche Esskultur,verfasst in Panketal & Berlin, März 2004, Original auf Französisch) 
Bier vs. Wein. Das Finale im Supermarkt.von Charlotte Noblet und Dominik Rapp, erschienen am 01.06.2005
Sie packt zwei Kästen Bier in ihren Einkaufswagen. Das ist die Charlotte: Biertrinkerin. Er steht vor dem Weinregal des Supermarkts und studiert das Etikett einer Flasche Rotwein. Das ist der Dominik: Weinliebhaber.
Charlotte: Wie lange brauchst du noch? Du stehst mir im Weg.
Dominik: Sind Sie Französin?
Charlotte: Ja, warum?
Dominik: Schmeckt der 1991er Château Cardinal Villemaurine, Saint-Emilion eher fruchtig oder mehr fleischig?
Charlotte: Keine Ahnung, du Weichei. Ich trinke keinen Wein.
Dominik: Was? Sie kommen doch aus Frankreich.
Charlotte: Na und? Du kommst aus Deutschland und kaufst kein Bier.
Dominik: Ach, Bier. Bier kann man nur saufen. Wein genießt man.
Charlotte: Quatsch. Wein ist 'was für Angeber. Kaufst du das für deinen Œnologie-Club?
Dominik: Meinen was? Œnologie-Club ist mir leider kein Begriff.
Charlotte: Die wöchentlichen After-Hour-Treffen, wo lauter Angeber in ihren feinen Anzügen ihren tollen Wein gurgeln. Die müssen sich über Rotwein unterhalten, weil in ihrem langweiligen Leben sonst nichts passiert. Da gibt es drei Kategorien: Der Junior kann nur lächeln, der Durchschnittliche kann lächeln und schlaue Sachen über Rotwein referieren und der Profi kann lächeln, schlaue Sachen über Rotwein referieren und weiß, welches Glas man benutzen muss.
Dominik: …
Charlotte: Zu welcher Kategorie gehörst du denn?
Dominik: Ach, kaufen Sie ihr Gesöff und verschwinden Sie, bitte. Das ist mir zu primitiv.
Charlotte: Mach’ mir dann bitte Platz, du Schnösel.
Dominik: Warum? Wartet Ihr Stammtisch schon auf Nachschub?
Charlotte: Das ist ja der Hammer. Ich habe keinen Stammtisch. Heute Abend spielt Dortmund gegen Schalke.
Dominik: Ist das Grund genug, zwei Kästen Bier zu vernichten?
Charlotte: Anfänger. Immerhin bekomme ich zwei Kästen Bier für den Preis, der dir gerade mal für eine Dreiviertelliterflasche reicht.
Dominik: Den trinke ich sowieso noch lange nicht. Der kommt erstmal in meinen temperierten Weinkeller. Ihr Getränk ist verdorben, wenn das Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Meines wird immer besser. Ich setze auf Qualität, nicht auf Quantität.
Charlotte: Okay: Eins zu null. Ich muss auch öfter aufs Klo, weil ich mehr tanke. Aber du trinkst deinen Wein doch nur, weil du meinst, es sei gut für dein Herz. Dafür kannst du deinem alten Kumpel nicht einfach herzhaft zuprosten.
Dominik: Dafür kriege ich auch keinen Bierbauch.
Charlotte: Soll das heißen, ich bin fett, du Affe?
Dominik: Nein, so habe ich das nicht gemeint. Aber diesen Effekt hat übermäßiger Biergenuss nun mal.
Charlotte: Und von Wein kriegst du schöne poignées d’amour.
Dominik: Poignées d’amour?
Charlotte: Ihr Deutschen habt mal wieder kein Wort dafür. Poignées d’amour sind die Fettpolster links und rechts über deiner Hüfte. Da kann man sich festhalten, wie an den Tragegriffen an meinem Bierkasten.
Dominik: Ah, Sie meinen die Rettungsringe!
Charlotte: Und jetzt hau ab in die Käseabteilung. Ich muss zu meinem Fernseher, sonst verpasse ich den Anstoß.
Dominik: Haben Sie ihren Bierschinken auch nicht vergessen?
Charlotte: Nein, den kaufe ich gleich noch beim Fleischer. Der von hier ist in scheiß Plastik verpackt. Schmeckt mir nicht.
Dominik: Na, wenigstens stilecht. Wie ich sehe, trinken Sie ihr Bier auch nicht aus Plastikflaschen.
Charlotte: Bist du verrückt oder was? Das wäre, als ob du deinen Wein aus Plastikbechern säufst.
Dominik: Auf keinen Fall. Niemals. Da könnte ich ja gleich Rotweinschorle trinken.
Charlotte: Und ich Bananenweizen.
Dominik: Na dann, einen schönen Abend noch.
Charlotte: Ja, dir auch, alte Socke.
Wie man sieht werden die deutsch-französischen Beziehungen auch in der Alkoholabteilung eines Supermarkts auf die Probe gestellt. Charlotte und Dominik haben es bewiesen: Trotz großer Unterschiede ist ein kultureller Austausch möglich.
Dominik: A votre santé.
Charlotte: Jawohl, prost. Dieser Artikel als Hördatei (2,2MB) (QuickTimePlayer»Download), (WindowsMediaPlayer»Download) 
Die Fête des vendangesvon Vera Schernus, erschienen am 01.03.2005
Vom Bezirksrathaus des 18. Pariser Arrondissements zogen sie los: Eine Gruppe von ungefähr 1500 Personen in folkloristischer Kleidung bewegte sich fröhlich singend und tanzend bis hinauf zur Sacré Coeur, um dort ein paar kräftige Schluck des auf dem Montmartre geernteten Wein zu genießen. Schaulustige, Touristen, aber auch zahlreiche Pariser blieben stehen, um sich an dem Spektakel zu erfreuen oder sich ihm anzuschließen. Weder der nicht enden wollende Regen, noch die vor kurzem verbreiteten schlechten Nachrichten aus der Weinindustrie konnten ihnen offensichtlich die Laune am Montmartreuser Wein und der ihm zu Ehren ausgerichteten bunten Feier verderben.
Alljährlich findet am ersten Oktober-Wochenende auf dem höchsten Hügel der französischen Hauptstadt ein großes Fest anlässlich der Weinernte am Montmartre statt, die Fête des Vendanges. Drei Tage lang wird der seltene und traditionsreiche Tropfen, der auf einem kleinen Grundstück nördlich von Sacré Coeur wächst, mit Musik, Tanz und einem bunten Markt auf und um den Place du Tertre gefeiert.
Bereits im zehnten Jahrhundert wurde auf dem damals noch vor den Toren der Stadt liegenden Hügel Wein von Mönchen angebaut, der bis ins 18. Jahrhundert einen hervorragenden Ruf genoss. Drei Viertel des Montmartre war mit Reben bedeckt; dem König wurden jedes Jahr über 1000 Liter Rot- und Weißwein geschenkt. Doch im Verlauf des 19. Jahrhunderts änderte sich das, denn der Boden war ausgelaugt, die Reben alt. "Der Wein war mehr Essig - den konnte keiner mehr trinken", erklärt Jean-Marc Tarrit, Ehrenvorsitzender des Musée de Montmartre. Erst in den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der Berg mit frischen Reben wiederbelebt, wodurch die Qualität des Weins deutlich stieg. Seit dieser Zeit gibt es die Fête des Vendanges. Dem frisch geernteten Wein und der um ihn organisierten Fête stehen in jedem Jahr bekannte Personen aus dem französischen Kulturleben Pate. 2004 waren es der Schauspieler Fabrice Lucchini und seine Kollegin Isabelle Giordano, welche das Fest begleiteten. Lucchini, ein Kind des Montmartre, fühlte sich sichtlich wohl und genoss seine Rolle als Weinbotschafter. "Ich bin glücklich darüber, als Pate dieses Festes meinem Stadtviertel helfen zu können, denn Dank solcher Ereignisse bleibt Montmartre populär", sagte er mit einem Glas Rotwein in der Hand.
Doch nicht nur dem Viertel kommt die Fête zugute. Der Erlös aus dem Verkauf des Weins geht an Einrichtungen, die an das Bezirksrathaus des 18. Arrondissements angeschlossen sind und sozial schwachen Personen helfen. 2004 waren es vor allem die Ältesten des Viertels, die von dem während und nach der Fête eingenommenen Geld profitierten. An Weihnachten wurden die Bedürftigen sogar ins Restaurant zu einem festlichen Menü eingeladen. Sämtliche Montmartreuser Lokale beteiligten sich an dieser Aktion und ließen sie bereitwillig unter ihrem Dach speisen und trinken.
Den Wenigsten – nicht nur unter den Älteren - ist es jedoch vergönnt einen "echten" Schluck der Montmartreuser Traube zu kosten. Das liegt vor allem an der insgesamt produzierten Menge des traditionsreichen Weins. Nur wenige tausend Flaschen werden nämlich alljährlich zum Verkauf geboten. Bei einem Stückpreis von 40 Euro handelt es sich nicht gerade um einen günstigen Tropfen in seiner Qualitätsklasse. Doch auch die Lese des vergangenen Jahres wurde - trotz alarmierender Nachrichten zu den Absatzzahlen der französischen Winzer – erfolgreich an den Weintrinker gebracht. Hätte man deren Klagen geglaubt, so hätte sich nämlich wohl keiner so richtig für die Flaschen interessieren dürfen. Laut einem Bericht von SPIEGEL-Online im Oktober 2004 ist der Weinkonsum der Franzosen drastisch zurückgegangen, die Flaschenpreise durch Überproduktion deutlich gesunken und zudem die Konkurrenz aus Übersee sehr stark geworden.
Mit diesen Problemen befassten sich die Teilnehmer der Fête offenbar nicht. Nach dem festlichen Umzug sangen, tanzten und tranken sie noch bis spät in die Nacht. Und die kommende Fête soll noch größer werden. "Wir haben vor, gleichzeitig zur Weinernte ein richtiges Musikfestival am Montmartre ins Leben zu rufen. Jungen französischen Musikgruppen soll auf diese Weise ermöglicht werden, im Herzen von Paris aufzutreten", erklärt Thibaud Houdinière, Pressesprecher der Fête des Vendanges. Zum Wohl.
Zur weiterführenden Lektüre, bzw. Infos auch zur nächsten Fête des Vendanges und Bilder von: www.fetedesvendangesdemontmartre.com
Weinanbau in Frankreichvon Maren Zäske, erschienen am 01.03.2005
Der Weinanbau in Frankreich hat eine lange Tradition. Wahrscheinlich wurde bereits im ersten Jahrhundert v. Chr. in Südfrankreich mit dem Weinanbau und auch mit der Herstellung begonnen. Die ersten Reben wurden aus Ägypten und dem Kaukasusgebiet eingeführt. Von Südfrankreich aus breitete sich der Weinanbau nach und nach in die anderen Regionen des heutigen Frankreichs aus. Dass das Land seit Jahrhunderten und auch heute noch einen exzellenten Ruf in Sachen Wein genießt, ist nicht nur – wie allgemein angenommen – den Mönchen aus dem Burgund des Mittelalters zu verdanken, sondern auch den erfolgreichen Anpflanzungen der Römer rund um Bordeaux. Des Weiteren haben die holländischen Seefahrer und Händler viel zu der Berühmtheit des französischen Getränks auf der ganzen Welt beigetragen.
Heute besitzt Frankreich ungefähr 10.000 Quadratkilometer Weinberge und erfreut sich einer lang zurückreichenden Weinanbaukultur mit einer enormen regionalen Vielfalt. Diese ist sicherlich einer der Gründe, warum das Hexagon eines der bedeutendsten Weinanbauländer ist. Auf 14 großen Anbaugebieten werden Weine produziert, die regionentypische Aromen ausbilden. Dies resultiert aus den einzigartigen Klimaten und Böden jeder einzelnen Region.
Dennoch war die weinwirtschaftliche Entwicklung nicht immer von Erfolg gekrönt. Schon im 18. Jahrhundert war das Problem der heute wieder aktuellen Überproduktion bekannt. Zweifellos war jedoch das Auftreten der Reblaus, die aus Amerika eingeschleppt wurde, die größte Katastrophe unter der die europäischen Weinbauern zu leiden hatten. Die gesamte europäische Weinproduktion hatte unter dieser Plage zu leiden. Allein in Frankreich hat dieser Schädling, der die Rebwurzeln angreift, 25.000 Quadratkilometer Rebfläche vernichtet.
In der Nachkriegszeit wurde, zum Nachteil der Qualität, auf Massenproduktion gesetzt. Die Weine waren dünn, flach und farblos. Dank der technischen Entwicklungen und Forschungen auf den Gebieten der Biologie sowie der Chemie erlebte die Weinbereitung in den 60er-Jahren einen Aufschwung und die Weinqualität begann wieder zu steigen.
Zehn Jahre später meldeten sich die Gegner des menschlichen Eingriffs zu Wort und es entstand die Bewegung der ökologisch-biodynamisch arbeitenden Winzer. Sie verzichteten fortan auf prophylaktischen Pflanzenschutz und untersagten jegliche Anwendung von chemischen Mitteln.
Unter dem Trend der neuen Weinanbauländer (Australien, Südafrika, Südamerika und Kalifornien), Einheitswein mit Holzaromen in großen Mengen herzustellen, hat in jüngster Zeit das Selbstbewusstsein der französischen Weinwelt gelitten. Damit aber nicht genug, denn seit drei Jahren sinkt der Export auf französischer Seite: Er ist im Durchschnitt um elf Prozent zurückgegangen. Ein weiteres Problem ist der sinkende Weinkonsum der Franzosen. Laut einer repräsentativen Statistik des Office National Interprofessionnel des Vins hoben fast die Hälfte der Franzosen im “trinkfähigen Alter" 1980 noch ein oder mehrmals täglich das Glas. Mittlerweile geben dies nur noch ein Viertel der Befragten als Konsumverhalten an.
Quellen: www.onivins.fr |

In München steht ein Hofbräuhaus … – der Mythos Oktoberfest von Nicolas Roche, Übersetzung: Manuela Wolter, erschienen am 01.12.2004
Als man mir den Vorschlag unterbreitete, aufs Münchner Oktoberfest zu gehen, war ich sofort hellauf begeistert. "Das ist eine super Idee! Ich bin noch nie dort gewesen und für Oktober habe ich ohnehin noch nichts geplant." Daraufhin wurde ich erst einmal aufgeklärt, dass das Oktoberfest, anders als sein Name es vermuten lässt, bereits in der zweiten Septemberhälfte stattfindet. Dieses weit verbreitete Missverständnis gibt bereits einen Vorgeschmack auf die Eigentümlichkeit dieses beinahe sagenumwobenen Festes, welches weit über die Grenzen Deutschlands hinaus ein Begriff ist.
Sein extrem hoher Bekanntheitsgrad hat zur Folge, dass der Mythos manchmal die Realität zu übertrumpfen droht und man kann bei den Geschichten, die darüber erzählt werden, kaum noch Wahrheit von Übertreibung unterscheiden. Von Neugier gepackt, begab ich mich also vor Ort, um mir selbst ein Bild von der Lage zu machen.
Noch bevor wir am Platz des Geschehens ankommen, stolpere ich in einer Broschüre über eine Information, die mir einfach nicht in meinen Franzosenkopf geht: Das Ende der Feier ist für 22.30 Uhr angesetzt. Freundlich weist man mich darauf hin, dass die "Abende" auf dem Bierfest bereits sehr früh beginnen können (am Wochenende schon ab neun Uhr morgens) und es zur Wahrung der öffentlichen Ordnung vorzuziehen sei, dass diese Horden Besoffener sich zu vernünftiger Stunde auf den Heimweg begeben … Na das fängt ja gut an.
Kaum auf dem Festplatz angekommen, bestätigen sich die Berichte bezüglich der enormen Größe der Anlage. So weit das Auge reicht erstrecken sich gigantische Zelte – eines größer als das andere. Fabi, mein Gastgeber, setzt mich darüber ins Bild, dass sich täglich an die 1,2 Millionen Besucher auf der Wiesn (so nennen Kenner das Oktoberfest) tummeln. Es dürfte uns an Gesellschaft also nicht mangeln.
Zunächst steuern wir das Hacker-Zelt an, um in diesem Biertempel ein paar bayrische Freunde anzutreffen. Die 10.000 Sitzplätze sind schon seit langem vergeben und selbst die Gänge sind hoffnungslos überfüllt. Wir müssen schon unsere Ellenbogen spielen lassen, um uns einen Weg bis zum Treffpunkt zu bahnen. Und, welche Überraschung, ich mache die Bekanntschaft mit einigen Dirndl- und Lederhosen-Trägern. Schon beim Kommen hatte ich mit Erstaunen zur Kenntnis genommen, dass bestimmte Leute, vor allem viele Jüngere, das berühmte Traditionsgewand tragen. Dabei dachte ich immer, sie existierten nur mehr als Postkartenmotiv. Ich nehme mir also vor, herauszufinden, ob alle Bayern tatsächlich noch diese Kostüme tragen. Während ich auf Beantwortung dieser fundamentalen Frage warte, gelingt es uns nun endlich, ein erstes Bier zu ergattern – nach fast einer Stunde hartem Kampf. Denn die Kellnerinnen stellten sich uns als erstes Hindernis in den Weg: Ohne Sitzplatz erwies es sich als absolut unmöglich, ein Bier zu bestellen. Als zweites Hindernis entpuppte sich dann die "sitzende Gesellschaft". Sie schien eine geradezu schelmische Freude daran zu verspüren, uns mit kräftigen Seitenstößen unmissverständlich zu verstehen zu geben, dass wir an ihrer Seite nicht willkommen sind.
Es gibt nur einen Ausweg aus diesem Dilemma: Man muss ein kleines Eckchen Bank ergattern und sich mit einer Pobacke dazuquetschen. Und, welch Wunder, auf einmal hat man das Recht, bedient zu werden – kurz bevor man das Gleichgewicht verliert. Ach, wie wohl tut die erste Maß, wenn sie nun endlich angekommen ist. Womit wir bei einer weiteren Eigenheit des Oktoberfestes wären: Auf diesem Fest ist es schlichtweg undenkbar (wenn nicht sogar unmöglich), Bier in geringeren Mengen als einen Liter zu bekommen. Was soll’s? Es ist derart heiß im Zelt, und man musste sich immerhin eine halbe Ewigkeit gedulden, so dass das Bier nun wie von selbst die Kehle runterfließt. Zudem hat dieses Gebräu eine magische Wirkung auf meine Deutschkenntnisse – meine Jagd auf die Lederhosen macht von nun an gigantische Fortschritte. Dank der gekonnten Unterhaltung eines traditionellen Orchesters, welches einen Schlager nach dem anderen zum Besten gibt, erhebt sich die Gesellschaft nach und nach, um auf den Bänken stehend in die Melodien einzustimmen. Trotz alledem setzen die Kellnerinnen die Verpflegung der Tischgesellschaft fort. Mit acht bis zehn Maßkrügen zwischen Armen und Brust sehen sie wirklich beeindruckend aus. Während ich sie anfangs noch als äußerst unangenehm empfand, so verspüre ich nun eine regelrechte Bewunderung für sie.
Eine (etwas erschreckende) Geschichte, die mir von diversen französischen Freunden berichtet wurde, kommt mir schlagartig wieder in den Sinn: Eine Urinrinne soll angeblich unter den Tischen angebracht sein, damit es den Zechern erspart bleibt, für ihre Notdurft den Tisch zu verlassen. Ein wenig beunruhigt inspiziere ich den Boden unter unserem Tisch … Uff! Wir sind dem Schlimmsten wohl entgangen: Keine Spur einer solchen Installation.
Ein paar Bier später in einem anderen Zelt, gelingt es mir dann endlich, die Trachtenmode des Oktoberfests zumindest ansatzweise zu durchschauen. Wer trägt eigentlich noch eine Tracht und aus welchem Grund? Ich unterscheide vier Gruppen, wobei jede von ihnen einen anderen Standpunkt vertritt:
• die traditionsbewussten Bayern: Voller Stolz auf ihre Vergangenheit tragen sie eindrucksvolle Trachten zur Schau.
• die systemkritischen Ideologen: Sie versuchen zu zeigen, dass München nicht gleich Bayern ist (ersteres wählt SPD, letzteres CSU) und dass das Tragen einer solchen Tracht einer Verleugnung der eigenen Überzeugung gleichkäme.
• die Pragmatiker: Sie interessiert vielmehr das Fest an sich als die Tradition, und sie betrachten das Oktoberfest als eine Art Karneval, auf dem einfach jeder das gleiche Kostüm trägt.
• die Relativisten: Sie versuchen mich davon zu überzeugen, dass ohnehin mehr Touristen (vor allem Japaner) als echte Bayern diese Trachten trügen und es daher rein gar nichts mehr bedeute. Diese These konnte ich in der Praxis jedoch nicht bestätigen, denn alle "Kostümierten", mit denen ich mich unterhielt waren bayrischen Ursprungs. Als sich der Tag dem Ende zuneigt, bin auch ich nun endlich in der Lage, den Wahrheitsgehalt der Geschichten über das Oktoberfest einzuschätzen und ich muss gestehen, dass mir die Realität viel sympathischer erscheint als der gesamte Mythos drum herum. Die Leute neigen tatsächlich dazu, den exzessiven Charakter der Wiesn in ihren Darstellungen maßlos zu übertreiben.
Inzwischen bin ich wieder in Berlin eingetroffen und verspüre eine große Enttäuschung: Die Bierfontänen, vor denen mich meine Großmutter gewarnt hatte, sind einfach nicht aufzufinden.
Fotos von Nicolas Roche 
Aus unserer zweiten Ausgabe – Oktober 2004»Ein Baguette, bitte!«von Marie Lesage, Übersetzung: Helene Greubel, erschienen am 01.10.2004
Sind Sie schon einmal durch die Straßen einer französischen Stadt spaziert? Dann kennen Sie sicher auch den verlockenden Duft von frisch gebackenem Brot und die Vorfreude auf ein goldbraunes, noch warmes Baguette, das man auf dem Heimweg knuspern kann.
Das Baguette ist nicht nur Wahrzeichen der französischen Gastronomie und des Pariser Lebens allgemein, sondern es symbolisiert und karikiert den Franzosen an sich – traditionellerweise mit Baskenmütze und Rotweinflasche.
Das Baguette ist jedoch viel mehr als das.
In den französischen „Boulangeries“ tauchte es nach der industriellen Revolution auf. Nicht lange haltbar, musste es innerhalb eines Tages verzehrt werden. Aus diesem Grund wurde es hauptsächlich von Städtern gekauft, denn nur sie konnten sich jeden Tag in eine Bäckerei in der Nähe ihres Wohnortes begeben. Zunächst wurde das Baguette als ein „pain de fantaisie „ (extravagantes Fantasiebrot) angesehen, aßen doch die Franzosen zur damaligen Zeit hauptsächlich das so genannte „pain de campagne“ (Landbrot), ein nahrhaftes Graubrot, das sich über mehrere Tage hielt. Im Gegensatz zu diesem „Landbrot“, das man auch heute noch in den Bäckereien in Form eines Brotlaibes finden kann, sind das Baguette und das ihm verwandte, etwas größere „pain parisien“ (Pariser Brot) typische „Stadtbrote“ und weisen grundlegende Unterschiede auf.
Von geringem Ausmass wiegt das Baguette nur 200 bis 250 Gramm und entwickelt sich, da es zum Verzehr innerhalb eines Tages bestimmt war, im Laufe des 20. Jahrhunderts zu einer Maßeinheit des täglichen Brotkonsums der Franzosen. Für Singles oder eingefleischte Einzelgänger gibt es sogar halbe Baguette. Als Grundnahrungsmittel auf dem Index zur Errechnung der Lebenshaltungskosten war sein Preis lange Zeit reglementiert.
Ein gutes Baguette bedarf einer sehr sorgfältigen Zubereitung, und eines beinahe religiöses Rituals. Es wurde sogar ein Gesetz erlassen, das die Bezeichnung „boulangerie“ nur solchen Bäckern erlaubt, die ihren Brotteig eigenhändig herstellen und kneten, ohne tief gefrorene Teige zu verwenden. Nach offiziellen Schätzungen mussten daraufhin 3000 bis 5000 Bäckereibetriebe das Gütezeichen „boulangerie“ aufgeben.
Ein Baguette aus tief gefrorenem und industriell gefertigtem Teig lässt sich leicht an seiner Konsistenz erkennen. Das Innere ist sehr weiß und durchsetzt mit kleinen, regelmäßigen Luftbläschen, während die Kruste hell und der Baguetteboden mit kariertem Muster überzogen ist. Das selbst gemachte Baguette muss eigenhändig geknetet und zu einer langen, dünnen Rolle geformt werden, die mit einem Messer fünf Mal schräg eingeritzt wird, bevor sie in den Ofen geschoben wird.
Die Kruste muss auf jeden Fall dünn, goldbraun und knusprig gebacken sein, egal ob man sie nun mehr oder weniger dunkel mag. Das Innere soll cremefarben, mit unregelmäßigen Luftbläschen durchlöchert sein und einen leichten Nussgeschmack haben.
Regeln, wie man Baguette zu essen hat, gibt’s nicht. Das knusprige Endstück eines frischen Baguettes direkt aus dem Ofen dürfen Sie sich aber auf keinen Fall entgehen lassen. Und wenn Sie an einem Bistro vorbeikommen, ist das traditionell zubereitete „jambon beurre“ natürlich obligatorisch: ein frisches Stück Baguette mit viel Butter und einer Scheibe gekochtem Schinken. Zum Frühstück können Sie es auch dick mit Marmelade bestreichen und in ihren Milchkaffee tunken. Es gibt wirklich tausendundeine Art, Baguette zu essen. Also: guten Appetit.
Le Guide des boulangeries de Paris, Augustin Paluel-Marmont, Michel de Rovira, Editions de l’If. Dieses Buch erfasst fast 180 Pariser Bäckereien und bewertet sie in den Kategorien Feingebäck, Brot, Service und Präsentation mit einem bis drei Sternen.
Cherchez le pain, Steven L. Kaplan, Editions Plon. Dieses Buch präsentiert die 100 besten Bäckereien von Paris und bewertet sie mit dem Symbol der Ähre.
Illustration von Annette Vollrathson
Baguette-RezeptZutaten •500 g Mehl, wenn möglich Typ 55 •7 g Hefe vom Bäcker (oder 15 Gramm frische Hefe aus dem Supermarkt oder sonstigen Fachgeschäften) •30 cl Wasser + 2 Esslöffel lauwarmes Wasser •10 g Salz
Die Hefe in einer Schale mit zwei Esslöffeln lauwarmem Wasser vermischen und sie 10 Minuten lang ruhen lassen.Das Mehl in einer Schüssel oder auf einer Arbeitsfläche häufen, und eine Mulde hineindrücken. Das lauwarme Wasser, das Salz und die Hefe in die Mulde geben und alles vermengen, indem die Mulde nach und nach von außen her mit Mehl bedeckt wird, bis das Mehl komplett verarbeitet ist. Den Teig nun so lange kneten, bis eine kompakte Kugel entsteht. Diese in eine Schüssel geben, sie mit einem feuchten Tuch bedecken und alles zusammen eineinhalb Stunden in einer etwa 25 Grad warmen Umgebung gehen lassen.Den Teig schließlich auf eine bemehlte Arbeitsfläche geben und weitere fünf Minuten kneten bis eine glatte Teigkugel entsteht. Den Teig zu zwei großen oder vier kleinen Rollen formen, sie auf ein eingeöltes und bemehltes Backblech setzen, sie mit einem feuchten Geschirrtuch bedecken und wiederum eine Stunde ruhen lassen.
Den Backofen auf 230 Grad vorheizen und eine mit Wasser gefüllte Form hineinstellen. Die Teigrollen mit einem Messer kreuzartig einritzen.
Sobald der Ofen heiß ist, das Backblech mit den Teigrollen hinein schieben und 15 bis 20 Minuten backen. Guten Appetit!
Dieses Rezept und viele andere finden Sie auf www.lamarmite.com |
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